Vier Schwinger jubelten am Ende
Schwyzer gingen am Brünigschwinget vor 5’850 Zuschauern leer aus
Schlussgang zwischen Armon Orlik und Fabian Staudenmann
Martin Schönbächler bodigt Marco Iseli
Armon Orlik, Fabian Staudenmann, Matthieu Burger und Werner Schlegel triumphierten auf dem Brünig. Möglich machte dies der gestellte Schlussgang zwischen Orlik und Staudenmann. Weiter wurde der Minimalismus des Schwingerkönigs mit einer tieferen Note bewertet.
W.S. Mit dem Brünigschwinget ging der fünfte Bergklassiker dieser Saison über die Bühne. Die Kardinalfrage lautete, ob sich einer der Favoriten durchsetzt oder es einen Überraschungssieger gibt. Dieses Rätselraten hielt bis zum Schluss an und wurde mit vier Siegern beantwortet. Die meistgenannten Favoriten behielten zum Auftakt mehrheitlich Oberhand. Obschon Werner Schlegel aus allen Lagen angriff, konnte er die Verteidigung von Michael Ledermann nicht knacken. Nach drei Gängen deutete vieles auf einen Favoritensieg hin, was die Zwischenrangliste verdeutlicht: Armon Orlik gewann alle drei Gänge und führte mit 29.75 Punkten. Dicht auf den Fersen blieb ihm Fabian Staudenmann. Er hatte ebenfalls drei Siege auf dem Notenblatt, aber einen Viertelpunkt Rückstand auf ihn. An dritter Stelle standen gemeinsam Werner Schlegel und Samuel Schwyzer.
Da dieses Quartett sieglos blieb, kam es zum totalen Zusammenschluss: Mit Michael Ledermann, Armon Orlik, Joel Ambühl und Jonas Amrhyn lag ein Quartett gemeinsam an der Spitze.
Während Armon Orlik mit einem Plattwurf gegen den bisherigen Überraschungsmann Amrhyn im Schlussgang stand, erhielt Fabian Staudenmann gegenüber Lukas Bissig den Zuschlag.
Orliks starker Beginn
Armon Orlik erwischte mit den beiden Zehnerwürfen gegen Marc Lustenberger und Damian Dubach einen perfekten Start. In einem über weiten Strecken ausgeglichenen Angelegenheit konnte er gegen Etienne Burger einen weiteren Sieg an seine Fahne heften. Das Kracherduell gegen Fabian Staudenmann endete ohne nennenswerte Aktionen resultatlos. Die beiden wohl besten Schwinger an diesem Tag neutralisierten sich gegenseitig und gingen keine Risiken ein.
Dass auch der Schlussgang unentschieden endete, war eigentlich keine Überraschung mehr.
Staudenmann gleichauf mit Grab
Fabian Staudenmann startete ebenfalls mit zwei Siegen gegen Lukas Bissig und Silvio Oertli überzeugend in den Wettkampf. In einer hochbrisanten Begegnung konnte er Joel Ambühl mit Kurz in der letzten Minute platt gewinnen. Nach dem Gestellten mit Orlik gab er sich gegen Jonas Troxler keine Blösse und konnte sich eine weitere Höchstnote schreiben lassen. Da er im Schlussgang aktiver war und mehr machte als Orlik, wurde er mit der höheren Note für den Gestellten belohnt. Damit konnte er Schwingergeschichte schreiben. Er darf sich nun auch Brünig-Sieger nennen. Weiter gelang es ihm nach Martin Grab als zweiter Schwinger alle sechs Bergkranzfeste mindenstens einmal zu gewinnen.
Noch zwei Sieger
Über den unentschiedenen Schlussgang freuten sich auch Matthieu Burger und Werner Schlegel. Der Seeländer Burger blieb ohne Niederlage. Neben den beiden Punkteteilungen mit Marcel Bieri und Samuel Schwyzer hatte er vier Siege auf seinem Notenblatt. Zuletzt konnte er die grosser Luzerner Hoffnung Luc Bissig zu den Verlierern reihen.
Der Toggenburger Werner Schlegel erlebte Hochs und Tiefs. Nach seinem Startremis gegen Michael Ledermann machte er mit zwei Maximalnoten viel Terrain gut. Doch dann folgte seine verhängnisvolle Niederlage gegen Jonas Amrhyn. Zu reden gab sein unsportliches Verhalten. Er verweigerte seinem Gegner den Handschlag.
Innerschweizer als Verlierer
Von den 17 abgegeben Kränzen waren die Berner mit acht am erfolgreichsten. Fünf gingen an die Nordostschweizer und vier an die Innerschweizer.
Im von fünf Athleten geteilten zweiten Rang klassierten sich die Innerschweizer Marcel Bieri, Lukas Bissig und Marc Lustenberger. Bieri zeigte eine Woche nach dem Rigischwinget erneut eine starke Leistung. Mit zwei Unentschieden und vier Siegen blieb er ungeschlagen. Der Urner Lukas Bissig rollte das Feld nach der Startniederlage gegen Fabian Staudenmann mit vier Siegen von hinten auf. Dabei gelang ihm gegen den Emmentaler Matthias Aeschacher ein Achtungserfolg. Den möglichen Tagessieg vergab er zum Abschluss mit dem Unentschieden gegen Severin Schwander. Für ein einigermassen versöhnliches Ende sorgte der Entlebucher Marc Lustenberger. Der zu Beginn gross auftrumpfende Joel Ambühl holte sich den «Kopfschmuck» trotz der Niederlage im letzten Gang gegen Silvan Trittibach.
Schönbächler ohne Kranz
Wie schon bei der letztjährigen Austragung mussten die Schwyzer den Heimweg wieder ohne Kranz antreten. Sie büssten besonders im Anschwingen wertvolles Terrain ein, dass sie nicht mehr wettmachen konnten. Lukas von Euw musste zuletzt um den Kranzgewinn gegen Mario Schneider den Kürzeren ziehen, und Patrick Betschart kam gegen den zweifachen Eidgenossen Patrick Betschart nicht über ein Unentschieden hinaus.
Martin Schönbächler trennte sich zu Beginn mit dem Seeländer Hünen Philipp Roth resultatlos und fand rotz ständiger Angriffe gegen Verteidigungskünstler Dario Gerber kein Siegesrezept. Nach längerer Gegenwehr konnte er am Boden Marco Iselin auf den Rücken drehen und Simon Stucki mit einem hohen Kurz bodigen. Dann folgte der verhängnisvolle Gang gegen den Berner Eidgenossen Patrick Gobeli. Er wurde am Boden in eine gefährliche Lage manövriert, woraus er sich nicht mehr zu befreien vermochte. Zum Abschluss bodigte er Michael Leuenberger kurz vor Zeitablauf mit einem wuchtigen Gammen. Obschon sich sein Wettkampf mit drei Siegen bei der Brünig-Première sehen lassen konnte, vermisste man bei ihm seine sonst angriffige Schwingweise und kompromissloses Zupacken.
Kevin Steinauer, der kurzfristig für einen verletzten Schwyzer aufgeboten wurde, stand ebenfalls zum ersten Mal auf dem Brünig im Einsatz. Dabei musste er zur Kenntnis nehmen, dass dieser Bergklassiker gnadenlos ist und keine Fehler verzeiht. Mit je zwei Unentschieden und Niederlagen verpasste er den Ausstich.
Werner Schönbächler