Samuel Giger gewinnt den Kilchberger-Schwinget
Alle Schwyzer blieben bis zum Schluss dabei
Martin Schönbächler
Der 28-jährige Thurgauer Samuel Giger gewann im Schlussgang nach rund zwei Minuten gegen den Zuger Marcel Bieri mit einem Prachtskurz und wiederholte damit seinen Sieg vor fünf Jahren. Bestklassierter Schwyzer blieb Michael Gwerder im fünften Rang.
W.S. Bevor es in den Sägemehlringen so richtig zur Sache ging, erklang die Schweizerhymne, die von den über 10’000 Zuschauern und Schwingern mitgesungen wurde. Dass es bei diesem Klassefeld viele Gestellte geben würde, zeigte sich bereits nach dem Anschwingen. Nur gerade drei Schwinger hatten zwei Siege auf ihrem Konto. Damian Ott, Samuel Giger und Joel Strebel lagen gemeinsam in Führung. Im nächsten Durchgang sorgten die Berner für Stimmung auf den Rängen und liessen ihre Muskeln gewaltig spielen. Das Quartett mit Matthieu Burger, Bernhard Kämpf, Michael Lehmann und Lars Zaugg lag einen Viertelpunkt vor fünf Nordostschweizern. Patrick Gwerder und Marcel Bieri waren an dritter Stelle die besten Innerschweizer. Danach begann sich das Blatt zu wenden. Von der Berner-Vierfach-Führung blieb bald einmal nichts mehr übrig.
Im Schlussgang standen Samuel Giger überraschend Marcel Bieri gegenüber. Doch wenn man seinen Saisonverlauf betrachtet, ist es gar keine Überraschung. So gewann er das Zuger Kantonale und holte sich acht Kränze. Der 31-jährige Zuger hat bereits 53 Kränze und sechs Kranzfestsiege in seinem Palmarès. Um die Schlussgangteilnahme sorgte er für den Paukenschlag des Tages. Er legte mit einem klassischen Schlungg König Armon Orlik auf den Rücken und gewann für seine attraktive Schwingweise den Schönschwingerpreis. Neben vier Siegen musste er noch gegen Damian Ott den Kürzeren ziehen.
Würdiger Sieger
Samuel Giger blieb die grosse Unbekannte vor dem Fest. Er verletzte sich im Training an der Schulter und musste eine längere Pause einlegen, weshalb viele Schwingerfreunde über seinen Formstand rätselten. Nachdem er wochenlang angeschlagen war, hat er sich konsequent auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet und trat ausgeruht an. Nach einem erfolgreichen Anschwingen mit den Siegen gegen Matthias Aeschbacher und Sinisha Lüscher unterlag er dem Berner Michael Ledermann, mit dem er sich unnötigerweise in die Bodenarbeit einliess. Doch darauf fand er mit zwei Höchstnoten gegen Patrick Betschart und Michael Moser die passen Antwort.
Im Schlussgang liess er nichts anbrennen und legte es nicht darauf an, die Entscheidung hinauszuzögern. Er setzte sich gegen Bieri mit einem bilderbuchmässigen Kurz durch und triumphierte damit nach 2021 erneut. Damals musste er den Sieg noch mit Damian Ott und Fabian Staudenmann teilen. Vor ihm ist einzig der Schwingerlegende Karl Meli zweimal als Kilchberger-Sieger (1967 und 1973) hervorgegangen. Damit krönte er sein Comeback mit einem historischen Erfolg.
Als bester Berner erreichte Michael Moser den dritten Rang. Auf den Gestellten gegen Werner Schlegel zum Auftakt liess er drei Siege folgen. Nach der bereits erwähnten Niederlage gegen den späteren Tagessieg Giger holte er zuletzt ein «Zäni» gegen Andy Signer. Viel Freude bereitete auch der Freiburger Lario Kramer, der zuletzt Damian Ott platt bodigte, und damit bester Westschweizer blieb.
Innerschweizer holten auf
Bei Halbzeit nach drei Gängen sah es für die Innerschweizer gar nicht gut aus. Doch im Ausstich nahmen sie so richtig Fahrt auf und sorgten damit für ein gutes Mannschaftsergebnis. Gleich vier waren unter den ersten Zehn anzutreffen. Als Bester klassierte sich der Urner Lukas Bissig im vierten Rang. Er bodigte nach einem durchgezogen Anschwingen den Emmentaler Dominik Gasser und nahm diesen Schwung für den Ausstich mit. Mit den Siegen gegen Lars Zaugg und Marco Good glückte ihm ein Abschluss nach Mass.
Schwyzer bis zum Schluss dabei
Von den Schwyzern lief es Gwerder am besten. Nach der Startniederlage gegen Sinisha Lüscher fand er gegen den Westschweizer Verteidigungskünstler Johann Borcard kein Siegesrezept und musste die Punkte teilen. Mit den beiden Siegen gegen Remo Rutsch und den Aargauer Eidgenossen Joel Strebel meldete er sich zurück. In einem turbulenten Gang trotze er Fabian Staudenmann entgegen den Erwartungen ein Unentschieden ab und warf den Berner damit aus der engeren Entscheidung. Zuletzt bodigte er den Westschweizer Romain Collaud mit einem Kurz.
Dass Patrick Betschart ein Mann für grosse Fest, hat er schon öfter bewiesen. Der Knietätsch-Spezialist blieb dreimal siegreich und musste sich dreimal das Sägemehl vom Rücken wischen lassen. Zuletzt brachte er das Kunststück fertig, den nur schwer zu bezwingbaren Johann Borcard mit der Maximalnote zu besiegen.
Der 22-jährige Lukas Heinzer hatte zwei Siege, drei Niederlagen und ein Unentschieden auf seinem Notenblatt. Mit dem Sieg gegen Jonas Glutz gab es für ihn einen versöhnlichen Abschluss.
Der Siebner Fredi Bruhin erlebte Hochs und Tief. So trotzte er den beiden Berner Eidgenossen Dominik Gasser und Etienne Burger ein Unentschieden. Im Ausstich wurde er von Lario Kramer auf den Rücken gelegt und teilte die Punkte mit Leandro Nägeli.
Schönbächlers Erfahrung
Dass man am exlusivsten Schwingfest mit den besten 60 Schwingern alle sechs Gänge absolvieren kann, ist schon eine grosse Auszeichnung. Der mit 19 Jahren jüngste Teilnehmer Martin Schönbächler erreichte damit das von ihm gesetzte Ziel. Dabei wurden dem noch ungeschliffenen Rohdiamanten drei Eidgenossen zugeteilt. Bei Halbzeit sah es für ihn nach dem Start-Unentschieden gegen den 135-Kilogramm-Brocken Jonas Glutz und den beiden Niederlagen gegen Lario Kramer und Leandro Nägeli nicht gut aus. Mit einem wuchtigen Übersprung, der ihm grossen Applaus einbrachte, gegen Laurent Tornae erreichte er den Ausstich. Erst nach harter Gegenwehr unterlag er Dominik Gasser und zuletzt setzte es für ihn eine keinesweges zwingende Niederlage gegen Adrian Odermann ab. Wenn es ihm gelingt, aus diesem Auftritt die richtigen Schlüsse zu ziehen und hart an sich zu arbeiten, liegt bei ihm noch viel Steigerungspotenzial drin.
Werner Schönbächler