Fabian Staudenmann holte den Sieg ins Bernbiet

Schwing- und Älplerfest vor 4’500 Zuschauern mit totaler Berner Dominanz

Fabian Birchler im (links) mit vollem Einsatz

Fabian Staudenmann gewann nach 2024 zum zweiten Mal den Rigi Schwinget. Im Schlussgang bodigte er seinem Teamkollegen Lars Zaugg in der fünften Minute mit Kurz. Für die Schwyzer gab es zwei Kränze.

W.S. Nach der krankheitsbedingten Absage des Entlebuchers Marc Lustenberger fehlte den Innerschweizern ein wichtiger Trumpf. Doch deswegen liessen sie sich nicht runterkriegen und sorgten besonders zu Beginn für Stimmung auf den vollbesetzten Rängen. So zog Michael Gwerder unmittelbar nach dem «Guet» des Kampfrichters einen entschlossenen Kurz und legte Nick Alpiger platt auf den Rücken. Weiter bodigte Joel Ambühl mit Kurz-Fussstich Andreas Döbeli. Damit sendeten sie ein starkes Zeichen an die Gegnerschaft. Dass sich die Spreu schon früh vom Weizen zu trennen begann, zeigte sich bereits nach zwei Gängen. Nur noch fünf Schwinger hatten eine reine Weste. Von diesem Quintett stand nach dem nächsten Durchgang noch Michael Moser mit lauter Siegen da. Der Berner führte mit 29.75 Punkten vor dem Trio Michael Gwerder, Sinisha Lüscher und Fabian Staudenmann. Die Gäste hatten zu diesem Zeitpunkt die besseren Karten als die «Einheimischen» in ihren Händen. Sie blieben weiter auf Siegeskurs, derweil die Innerschweizer Terrain einbüssten und sich für den Tagessieg keine allzu grossen Hoffnungen mehr machen durften. Vor dem Ausstich übernahm Fabian Staudenmann die alleinige Führung vor seinen Teamkollegen Dominik Gasser, Christian Gerber und Michael Moser. Die Berner vermochten ihre gute Ausgangslage zu nutzen. Fabian Staudenmann und Lars Zaugg zogen schliesslich in den Schlussgang ein.

Souveräne Leistung

Obschon Fabian Staudenmann zum Auftakt gegen Samuel Schwyzer immer wieder angriff, konnte er die Verteidigung des Luzerners nicht durchbrechen. Mit Kurz bodigte er darauf Patrick Betschart in der ersten Minute und konnte damit Kräfte für den weiteren Verlauf  sparen. Mit Lätz abdrehen kam er gegen Joel Strebel zu einer weiteren Höchstnote. Eine ganz starke Vorstellung zeigte er gegen den Baselbieter Lars Voggensperger. Mit einer grossen Willensleistung kam er zwei Sekunden vor Schluss zum Sieg. Im Hammerduell gegen Michael Moser gelang ihm in der letzten Minute mit Kreuzgriff der Siegeswurf gegen Michael Moser. Diese Paarung löste beim Publikum Kopfschütteln aus. Die beiden besten Schwyzer an diesem Fest hätten mit einem Unentschieden den Schlussgang verpasst. Zum Glück kam es mit dem Sieg von Staudenmann anders heraus. Der Einteilungstrick ging für einmal nicht auf. Etwas mehr Fingerspitzengefühl der Einteilung wäre angebracht gewesen. Mit dieser Paarung stiegen die Chancen der anderen Teilverbände, doch noch einen Schwinger in den Schlussgang zu bringen.   Damit holte der 26-jährige Student seinen 71. Kranz, wovon den 20. an einem Bergklassiker. Zudem realisierte er seinen 23. Kranzfestsieg.  «Dieser Sieg hat für mich, wie jeder an einem Bergfest, grosse Bedeutung», freute sich der Berner. Doch gab er zu, dass er gegen Lars Voggensperger das nötige Quäntchen Glück auf seiner Seite hatte.

Den 24-jährigen Emmentaler Lars Zaugg dürften wohl nur die wenigsten auf ihrer Rechnung gehabt haben, obschon er mit 29 gewonnen Kränzen schon längst kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Nur mit viel Pech verpasste er die eidgenössische «Schlaufe» letztes Jahr in Mollis. Mit den Startsiegen gegen Christian Bucher und Lukas Bissig legte e sich eine solide Basis für den weiteren Verlauf zurecht. Nachdem er von Sinisha Lüscher ausmanövriert wurde, nutzte er die Gunst der Stunde und konnte Ramon Bühler und Ueli Rohrer platt gewinnen. Den zweiten Rang teilten sich Lukas Bissig und Michael Moser. Bissig lag nach vier Gängen an dritter Stelle. Um die mögliche Schlussgangteilnahme musste er nach turbulenten Momenten mit Dominik Gasser die Punkte teilen. Der 21-jährige Michael Moser schwang sich mit seiner attraktiven Schwingweise in die Herzen des Publikums. Neben der Niederlage gegen Staudenmann fand er gegen Samuel Schwyzer kein Rezept und musste stellen. Der Zuger Marcel Bieri bodigte im Ausstich die beiden Nordwestschweizer Marius Frank und in den letzten Sekunden Adrian Odermatt mit Schlungg.

Zwei Schwyzer Kränze

Von den 14 abgegebenen Kränzen holten die Berner mit sechs, vor den Innerschweizern und Nordwestschweizer mit je vier am meisten «Schlaufen».

Auf das Konto der Schwyzer gingen zwei Kränze. Der 29-jährige Fredi Bruhin, mit den Gardemassen von 115 Kilo und 190 cm Grösse, konnte sich erstmals an einem Bergklassiker krönen lassen. Mit seinen ringerischen Qualitäten gepaart mit einer guten Schwingertechnik bereitet der Polizist jedem Gegner grosses Kopfzerbrechen. So bezwang er zum Auftakt den Eidgenossen Adrian Klosser, was ihm viel Selbstvertrauen gegeben haben dürfte. Neben drei Siegen teilte er die Punkte mit den Eidgenossen Lukas Döbeli und Matthieu Burger.

Michael Gwerder bewies einmal mehr, dass er derzeit die schnittigste Waffe der Schwyzer ist. Nach seinem grandiosen Auftakt mit den Zehnerwürfen gegen Nick Alpiger und Patrick Schenk kam er gegen Leandro Nägeli nicht über ein Unentschieden hinaus und musste sich von Dominik Gasser das Sägemehl vom Rücken wischen lassen. Nach dem Sieg gegen Roland Reichmuth genügte ihm das Unentschieden gegen den Aargauer Pascal Joho zu seinem zehnten Kranz an einem Bergklassiker.

Dass Bergfeste gnadenlos sind und kein Erbarmen kennen, mussten gleich 14 der 25 angetretenen Eidgenossenbitter erfahren. Sie traten den Heimweg ohne Eichenlaub an. So auch der Nordwestschweizer Leader Nick Alpiger, der diese Saison immerhin vier Kranzfestsiege vorweisen kann.

Der Trachslauer Fabian Birchler schlug sich auf der «Königin der Berge» in diesem Top-Teilnehmerfeld tapfer und konnte alle sechs Gänge absolvieren.

 

Werner Schönbächler