Werner Schlegel war auf dem Stoos so richtig im Stoss

Schwing- und Älplerfest vor 3’600 Zuschauern in Gäste Händen

Im entscheidenden Gang unterlag Schönbächler Martin dem Ostschweizer Ott Damian und verpasste den Kranz.

Steinauer Kevin startete mit einem gestellten Gang gegen Schmid Simon in den Tag.

Der Toggenburger Werner Schlegel repräsentierte einmal mehr seine grosse Klasse. Im Schlussgang bodigte er in der ersten Minute den Luzerner Überraschungsmann Elias Lüscher mit Kurz und Nachdrücken. Martin Schönbächler fehlte ein halber Punkt für den Kranzgewinn.

W.S. Der erste Quervergleich verschiedener Teilverbände brachte eine hochstehende Darbietung, geprägt von zahlreichen Überraschungen. Die Zuschauer kamen in den Genuss eines bis zum Schluss spannenden Wettkampfes. Der Bergklassiker war besonders zu Beginn durch eine selten gesehene Ausgeglichenheit geprägt. Der Spreu begann sich erst allmählich vom Weizen zu trennen. Nachdem sich die Spitzenschwinger gegenseitig neutralisierten, durften sie sich keine Ausrutscher mehr leisten und mussten Terrain gutmachen, wenn sie vorne noch ein Wörtchen mitreden wollten. Die beiden Innerschweizer Eidgenossen Sven Schurtenberger und Jonas Burch manövrierten sich mit zwei Siegen in eine komfortable Ausgangslage. Bei Halbzeit – nach drei Gängen –lag Christian Bucher vor Lukas Heinzer und Tim Lustenberger vorne. Die Hauptavoriten waren in Lauerstellung anzutreffen. Nick Alpiger mussten mit dem Gestellten gegen Roman Wandeler, dem Co-Sieger am Luzerner Kantonalen, einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen und kam für den Festsieg nicht mehr in Frage. Da sich keiner in den Vordergrund zu schieben vermochte, war der weitere Verlauf noch völlig offen.

Auch im nächsten Durchgang lief es nicht allen Favoriten wunschgemäss. So musste Sinisha Lüscher nach einem packenden Duell mit Christian Bucher die Punkte teilen und fiel damit wie auch Damian Ott und Michael Gwerder um den Tagessieg ausser Traktanden. Vor dem Ausstich lagen gemeinsam Werner Schlegel, Christian Bucher und Joel Suter in Führung. Von diesem Trio hatte Werner Schlegel zu diesem Zeitpunkt die besten Aussichten auf den Tagessieg. Die Innerschweizer waren zahlreich vorne anzutreffen, derweil die Nordwestschweizer etwas zurücklagen. Doch erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt. Dieses Sprichwort sollte sich am Ende noch bewahrheiten.

Werner Schlegel bodigte im ersten Zug den bis dahin glänzend disponiert gewesenen Fredi Bruhin mit einem wuchtigen Armzug. Als sein Widersacher kristallisierte sich überraschend Elias Lüscher mit der Höchstnote mittels Hüfter gegen Bruno Suter heraus. Damit sorgte er für die wohl grösste Überraschung des Tages.

Vielseitig geschwungen

Werner Schlegel zelebrierte nach seinem Sieg am St. Galler Kantonalen vor zwei Wochen Schwingen vom Allerfeinsten. Nach seinem Start-Unentschieden gegen Nick Alpiger, die sich nach einem wilden Geplänkel resultatlos trennten, mussten seine nächsten Gegner Federn lassen. Der Toggenburger Draufgänger begeisterte das Publikum mit seinen perfekt und explosiv ausgeführten Schwüngen. Wie er Urs Doppmann zum platten Resultat kurzte und dem nur schwer zu bewingbaren Carlo von Rickenbach am Boden keinen Spielraum liess, war klasse und zeichnet einen grossen Könner aus. Bereits im ersten Angriff überrumpelte er im wahrsten Sinne des Wortes Michael Gwerder mit einem Armzug, den er als sein «Gelegenheitsschwüngli» bezeichnete.

«Nach meinen verhaltenen Start bin ich immer besser in Fahrt gekommen und konnte von Stand und am Boden vielseitig schwingen. Der Sieg auf dem Stoos bedeutet mir sehr viel», sagte der verdiente Tagessieger.

Obschon er in Fachkreisen kein unbeschriebenes Blatt ist, hatten den 20-jährigen Elias Lüscher wohl nur die kühnsten Optimisten auf ihrer Rechnung. Mit einem eher mühsamen Start hatte er sich nach drei Gängen einen deutlichen Punkterückstand auf die Spitze gehandelt. Da sich die Führenden gegenseitig die Punkte abjagten, kam ihm dank zweier Zehnerwürfe gegen Elias Epp und Bruno Suter zugute. Seine Schlussgangteilnahme darf auch als Zeichen eines ausgeglichenen Festes bezeichnet werden. So sorgten starke Mittelschwinger immer wieder für Überraschungen und konnten höher eingestufte Kontrahenten unerwartet stoppen.

Schlegels Verbandskollege Damian Ott klassierte sich im geteilten zweiten Rang. Neben seinen Gestellten gegen Sinisha Lüscher und Lukas Heinzer blieb er viermal siegreich. Die Nordwestschweizer vermochte sich mit einem starken Finish zu rehabilitieren und bewiesen damit ihre Mannschaftsstärke.

Unbarmherziges Fest

Von den 13 abgegeben Kränzen holten die Innerschweizer sieben «Exemplare», die Nordwestschweizer vier und Nordostschweizer zwei. Dass Bergklassiker keine Gnade kennen mussten, sechs von 15 angetretenen Eidgenossen erfahren. Sie blieben allesamt ohne Kranz. Die Schwyzer brachten sich vor dem letzten Gang in günstige Ausgangspositionen. Doch letztlich war es Michael Gwerder, der für sie die Kastanien aus dem Feuer holte. Neben den beiden Niederlagen gegen Joel Strebel und Werner Schlegel verliess er den Platz viermal als Sieger. Zuletzt holte er die für den Kranzgewinn benötigte Höchstnote gegen den Nordwestschweizer Oliver Hermann. Alle andern, die eine Chance für den Kranzgewinn besassen, scheiterten im alles entscheidenden Moment. So verlor Benno Heinzer gegen Luc Bissig und sein zwei Jahre älterer Bruder Lukas wurde von Joel Suter nach wenigen Sekunden ausgebremst. Fredi Bruhin musste gegen Adrian Odermatt die Punkte teilen. Silvan Appert verfehlte die «Eichenlaub-Auszeichnung», trotz des Zehnerwurfes gegen Michael Zurfluh, lediglich um einen Viertelspunkt.

Lediglich ein halber Punkt

Martin Schönbächler, der erstmals an einem Bergklassiker teilnahm, gelang eine insgesamt solide Leistung. Dabei wurde er von der Einteilung keineswegs geschont. Mit einem Brienzer legte er Kay Hügli auf den Rücken. Obschon er sich gegen den Eidgenossen Tim Roth ständig im Vorwärtsgang befand, wollte ihm der Siegeswurf einfach nicht gelingen. Ein hoher Kurzzug gegen Dominik Schwegler brachte ihm die Höchstnote ein. In einem über weiten Strecken offenen Begegnung musste er sich kurz vor Zeitablauf gegen Christian Bernold beugen. Diese Niederlage wäre vermeidbar gewesen. Mit der Höchstnote gegen Fabian Bärtsch besass er noch intakte Kranzchancen. Dabei wurde ihm mit Damian Ott, wie schon vor zwei Wochen am St. Galler Kantonalfest, ein harter Brocken vorgesetzt. Er brachte den Sankt-Galler für einen kurzen Moment arg ins Wanken, musste aber kapitulieren. Damit fehlte ihm als drittbestklassierter Schwyzer ein halber Punkt für die «Krönung». Der Willerzeller Kevin Steinauer erlebte ebenfalls die Première an einem Bergklassiker. Obschon er den Ausstich verpasste, dürfte für ihn der Einsatz wertvolle Erkenntnisse geliefert haben.  

 

Werner Schönbächler