Michael Gwerder holte seinen ersten Kranzfestsieg

Ob- und Nidwaldner Kantonalfest in Beckenried vor 3’420 Zuschauer

Festsieger Michael Gwerder

Martin Schönbächler links im Kampf gegen Sven Schurtenberger

In einem hochstehendenden Schlussgang bodigte Michael Gwerder nach 7:27 Minuten Christian Zemp mit Kurz und Vervollständigen am Boden. Die Schwyzer holten fünf Kränze. Martin Schönbächler sorgte mit seinen spektakulären Würfen für Stimmung auf den Rängen.

W.S. Nach sieben Eidgenossen-Rücktritten, darunter die beiden Zugpferde Schwingerkönig Joel Wicki und Pirmin Reichmuth, fragte man sich allenthalben, wer diese Lücken schliessen kann. Beim ersten Kantonalfest in der Innerschweiz galt es die Karten offenzulegen. Die Zeit der Verstecke war vorbei. Dafür lieferte das Top-Teilnehmerfeld mit neun eidgenössischen Kranzträgern erste Anhaltspunkte. Bei Halbzeit (nach drei Gängen) lag Michael Gwerder an der Spitze des Zwischenklassements. In Lauerstellung mit einem Punkte Rückstand folgten die Eidgenossen Marcel Bieri und Marc Lustenberger. Auch nach dem vierten Durchgang grüsste Michel Gwerder souverän von der Spitze. Im Kampf um den Einzug in den Schlussgang kamen gleich mehrere Schwinger in Frage. Die Spannung blieb so bestehen.

In einem von der Taktik geprägten Duell genügte Michael Gwerder das Unentschieden gegen Sven Schurtenberger für die Teilnahme am Schlussgang. Da sich auch Marc Lustenberger und Lukas Heinzer im wohl schönsten Gang des Tages resultatlos trennten, öffneten sie Chrisitan Zemp die Tür für die Begegnung um den Tagessieg. Der Kernser bodigte mit einem Prachtskurz den favorisierten Eidgenossen Sven Lang mit der Höchstnote.

Michael Gwerder deutete bereits an den Vorbereitungsfesten mit konstanten Leistungen seinen guten Formstand an. Zum Auftakt bodigte er Sven Lang mit Kurz-Fussstich und den wendigen Arian Egli mit Wyberhaken. Er startete verheissungsvoll mit zwei «Zehnern» in den Wettkampf, was ihm für die nächsten Duelle sichtlich Flügel verlieh. Nach dem sicheren Sieg gegen Ivan Felder kurzte er den nur schwer zu bezwingbaren Samuel Schwyzer zum platten Resultat. «Ich wusste, dass es im Schlussgang sehr schwer werden wird, da sich mein Kontrahent aus unmöglichen Lagen zu befreien vermag. Der erste Kranzfestsieg freut mich ganz besonders», sagte der 25-jährige Chauffeur.

Nach seiner einjährigen verletzungsbedingten Pause kehrte der 21-jährige Forstwart Christian Zemp geradezu magistral zurück. Nach einem geglückten Anschwingen mit zwei Siegen trotzte er dem Baselbieter Lars Voggensperger einen Gestellten ab. Dass er nicht nur verteidigen kann, verdeutlichen seine drei Zehnerwürfe, die ihm die Schlussgangteilnahme einbrachten.

Lukas Bissig startete nach seiner Startniederlage gegen Lars Voggenperger ein wahres Feuerwerk und kam zu fünf Siegen. Mit den beiden Maximalnoten gegen Jonas Burch und Adrian Egli im Ausstich rückte er auf den zweiten Platz vor.

Fünf Schwyzer Kränze

Von den 32 abgegeben Kränzen holten die Luzerner mit einem Dutzend den Löwenanteil, gefolgt von den Ob- und Niwaldnern (7), den Schwyzern (5), den Urnern und Zugern (je 3), sowie den Gästen aus der Nordwestschweiz (2).

Einige Schwyzer lagen nach vier Gängen in einer günstigen Ausgangslage, doch büssten sie im Finish Terrain ein. Lukas Heinzer vermochte seine diesjährigen Glanzleistungen zu bestätigen. Mit zwei Unentschieden und vier Siegen beendete er den Wettkampf ohne Niederlage. Fredi Bruhin, der auch ein starker Ringer ist, wird immer mehr zu einer grossen Stütze der Schwyzer. Mit seiner vielseitigen Schwingweise vermochte er zu gefallen und kam ungeschoren über die Runde. Im Ausstich blieb er gegen Remo Wallimann und zuletzt mit Hochwung gegen Lars Imboden erfolgreich. Der 34-jährige Älpler Franz-Toni Kenel gehört noch längst nicht zum alten Eisen, was er auf eindrückliche Art bestätigte.

Schönbächler begeisterte

Der 18-jährige Martin Schönbächler zeigte ein weiteres Mal, was in ihm steckt. Der 2 Meter grosse und 115 Kiogramm schwere Modellathlet riss die Zuschauer mit seinen wuchtigen Würfen förmlich von den Sitzen. Zum Auftakt räume er Jerome Rohrbach mit einem hohen Kurz und Jens Furrer mit Innerem Haken aus dem Weg. Darauf gelang es ihm, dem 150 Kilo schweren Hünen Sven Schurtenberger ein Unentschieden abzutrotzen. «Ich legte gegen ihn eine defensive Taktik zurecht und versuchte selber Nadelstiche zu veretzen, was aufgegangen ist.» Dabei kam er während der gesamten Gangdauer nie in eine heikle Lage. Nach einem weiteren Sieg gegen David Imfeld, musste er dem Basler Eidgenossen Adrian Odermatt die Siegespunkt überlassen. «Hier war ich einen kurzen Moment zu wenig aufmerksam, was prompt ins Auge ging.» Zum Abschluss liess der angehende Landwirt nichts anbrennen und konnte Dominik Gasser schnell besiegen, was ihm das zweite Eichenlaub gegen eine starke Gegnerschaft einbrachte.

Andrin Kauflin verpasste den Kranz mit der Niederlage gegen Joel Suter im letzten Gang. Zuvor vermochte er mit solidem «Schwingerhandwerk» zu gefallen. Der 18-jährige Alpthaler Daniel Steiner absolvierte ebenfalls alle sechs Gänge und trotzte dem Kranzer Jerome Rohrbach ein beachtliches Unentschieden ab. Der leichtgewichtige Turnschwinger Remo verlor zuletzt gegen Nando Durrer und verpasste damit ebenfalls den «Kopfschmuck». Cyrill Styger und Adrian Horath deuteten an, dass mit ihnen künftig gerechnet werden kann. Beide waren bis zum Schluss dabei.  

Werner Schönbächler