Lukas Bissig beendete eine lange Urner Durststrecke

Schwyzer Kantonales Schwing-und Älplerfest in Brunnen vor 3’600 Zuschauern

Kevin Steinauer gewinnt im 6. Gang Lukas Gisler mit der Maximalnote 10.

Martin Schönbächler gewinnt im 6. Gang den Teilverbandskranzer Marco Heiniger.

Der Urner Lukas Bissig gewinnt das 102. Schwyzer Kantonale Schwing- und Älperfest

Lukas Bissig trumpfte am Schwyzer Kantonalen in Brunnen gross auf. Im Schlussgang bezwang er Michael Gwerder nach 6 Minuten mit Kurz abrehend und holte damit nach einer 81-jährigen Durststrecke den Sieg ins Urnerland.

W.S. Die Hauptfrage, ob die Innerschweizer den Berner Gast Adrian Walther in Schach zu halten vermögen, war nicht so schnell beantwortet. Die Gastgeber nmussten schon früh einen Dämpfer hinnehmen. Luca Müller konterte den Kurz von Michael Gwerder mit einem Gegenangriff und brachte ihn damit bereits früh unter Zugzwang. Nach dem Anschwingen hatten die von den meistgenannten Favoriten Lukas Bissig und Adrian Walther mit elf weiteren Schwingern zwei Siege auf ihrem Konto. Doch im nächsten Durchgang mühte sich Adrian Walther gegen Verteidigungskünstler Carlo von Rickenbach vergeblich ab und musste ihm ein Unentschieden zugestehen. Lukas Bissig befand sich weiter auf dem Vormarsch und brachte sich in eine günstige Ausgangslage. Zusammen mit Urs Doppmann und Luca Müller wies er als einziger drei Siege auf. Mitfavorit Michael Gwerder fehlten trotz einer Aufholjagd die Maximalnoten. Nach dem Sieg gegen Urs Doppmann übernahm Luca Müller die alleinige Führung. Das Rennen um den Schlussgang machten die beiden Eidgenossen Lukas Bissig und Michael Gwerder, der den Zuschlag gegenüber den Punktegleichen Silvan Appert und Silvan Appert und Luca Müller erhielt.

Nach seinem verhaltenen Saisonauftakt mit dem letztlich guten zweiten Rang am Ob- und Nidwaldner Kantonalen setzte der 23-jährige Lukas Bissig mit einer überzeugenden Leistung das Pünktchen aufs i. Bereits zu Beinn meldete er seine Siegesabsichten an. Wie er die beiden nur schwer bewingbaren Marco Heiniger und Damian Egli zu den Verlierer reihte, war Extra-Klasse. Nachdem er auch Bruno Suter mit seiner ausgeklügelten Bodenarbeit das Nachsehen gab, gelang es ihm, den Berner Adrian Walther mit einer Punkteteilung aus der engeren Entscheidung zu werfen.  Nach wenigen Sekunden lag der glänzend disponierte Luca Müller platt auf dem Rücken. Damit schaffte er den Zutritt zum Schlussgang.

 

Der einheimische Michael Gwerder, der mit der Referenz des Sieges am Ob- und Nidwaldner Kantonalen antrat, hatte die Gunst des Publikums auf seiner Seite. Nach Gefühlsschwankungen mit Hochs und Tiefs im Anschwingen vermochte sich der begnadete Kurzzieher aufzufangen und mit den Siegen gegen den Berner Reto Walther und Elias Lüscher das zuvor verlorene Terrain gutzumachen. Mit einem klassischen Kurz-Lätz gegen Thomas Bucher verdiente er sich den Zutritt zur nicht mehr erwarteten Endausmarchung.

Nachdem Bissig im Schlussgang nach zwei Wyberhaken beinahe zum Resultat kam, klappte es im dritten Anlauf mit Kurz-Adrehen. Im Siegerinterview zollte er dem Unterlagenen Respekt. «Ich gratuliere Michi zu seiner Leistung. Wir kennen uns bestens, da wir im Spitzensport-WK das Zimmer miteinander teilten. Im Schlussgang musste ich alles auf eine Karte setzen, um den Tagessieg zu holen.» Sein Antipode konnte die Enttäuschung nicht verbergen und verliess die Arena umgehend, was vor eigenem Publikum verständlich war.

Dass die Rangliste Profil erhielt, zeigen die weiteren Rängen. Auf dem zweiten Platz folgte der Zuger Luca Müller, dem beinahe eine makellose Leistung gelang. Den dritten Rang teilten sich der Eidgenosse Silvan Apper unt und Fredi Bruhin. «Ich fand gegen den hohen Kurz von Adrian Walther kein geeignetes Abwehrmittel. Doch nach dem verpassten Kranz am Seeländischen vor einer Woche vermochte ich mich deutlich zu steigern», fasste Appert seine Leistung zusammen. Nach dem missglückten Auftakt holte er fünf Siege in Serie. «Ich habe nicht mit einem vorderen Rang gerechnet, da ich vor dem Fest erkältet war», sagte Bruhin Das war seine bisher beste Klassierung an einem Kranzfest. Obschon der Berner Adiran Walther hartes Brot zu essen hatte, vermochte er die Erwartungen mit dem Kranzgewinn zu erfüllen, was auch dem Westschweizer Johann Borcard gelang. Von den 37 abgegebenen Kränzen gingen 15 nach Schwyz, 12 nach Luzern, 4 nach Zug, drei nach Uri und je einer nach Ob- und Nidwalden, Bern und die Westschweiz.

Von den Schwyzer Schwingklubs holte der Mythenverband sechs Kränze, gefolgt vom Rigiverband und dem Schwingklub Einsiedeln (je 3), March-Höfe (2) und Küssnacht (1). Der 16-jährige Patrik Laimbacher und Cyrill Krieg (17) gewannen erstmal den begehrten «Kopfschmuck».

Drei Einsiedler Kränze

Der 21-jährige Kevin Steinauer bestritt nach einem verletzungsbedingten Unterbruch von einem Jahr erstmals wieder ein Kranzfest. Dabei glückte ihm das Comeback nach Mass. Nach vier Gängen lag er mit drei Siegen und dem Unentschieden gegen Verbandskranzer Michael Zurfluh an zweiter Stelle und durfte sich noch Chancen um die Schlussgangteilnahme ausrechnen. Nach hartem Widerstand unterlag er dem Eidgenossen Sven Lang und gewann zuletzt Lukas Gisler mit der Höchstnote.  Damit holte er sich nach dem Ob- und Nidwaldner Kantonalen im letzten Jahr seinen zweiten Kranz.

Nachdem Martin Schönbächler bereits am Ob- und Nidwaldner Kantonalen von sich reden machte, gelang ihm die Bestätigung dieser Leistung. Zum Auftakt trennte er sich gegen den defensiv eingestellten Ramon Bühler resultatlos. Nachdem er Adrian Bucher bodigte, konnte er die Verteidigung von Josef Lustenberger trotz einer Reihe von Angriffen nicht knacken und hatte damit das Messer am Hals. Doch mit den Siegen gegen Raffael Zimmermann und den höher eingestuften Verbandskranzer Andreas Elmiger hielt er die Chancen für den Kranzgewinn aufrecht. In einer turbulenten Begegnung konnte er zuletzt Verteidigungskünstler Marco Heinziger mit Wyberhaken zum platten Resultat werfen.

Gespannt war auf das Comeback des Dauerverletzten Martin Grab. Wie man es von ihm gewohnt ist, schaltete er immer den Vorwärtsgang ein. Nach dem geglückten Start gegen Kevin Waser, bot er dem Eidgenossen Sven Lang über weite Strecken das Paroli, ehe er kurz vor Zeitablauf unglücklich verlor. Nach einer ähnlichen Niederlage gegen Christian Bucher kam er gegen Juilan Vogt zur Höchstnote. Zuletzt musste er nach einem Abnützungskampf Marcel Vogel Tribut zollen. Dank seinen guten Noten reichte es ihm dennoch zu seinem vierten Kranz, den sein Bruder Florian Gab um einen Viertelpunkt verpasste. Dem grossen Kämpfer Jan Walker blieb das Pech einmal mehr an den Füssen kleben. Wie schon öfter kostete ihm zum Abschluss ein Gestellter gegen Ueli Hürlimann seinen ersten Kranz. Fabian Birchler, der von einer Woche für die Einsiedler die Kastanien aus dem Feuer holte, lag nach vier Gängen in aussichtsreicher Position. Doch im Ausstich fehlte ihm das nötige Quäntchen Glück. Mit der Niederlage gegen Christian Huser fehlte ihm für das Eichenlaub ein halber Zähler. Der 17-jährige Cyrill Styger gelang nach einer durchzogenen ersten Hälfte mit zwei Siegen im Ausstich eine vielversprechende Leistung.

Werner Schönbächler

Einsiedler Organisatoren übergaben die Fahne

Der Festakt war kurz, aber eindrücklich. Die Übergabe der Kantonalfahne wurde durch musikalische und folkloristische Darbietungen sowie Festansprachen umrahmt.

Fahnenübergabe von OKP Christoph Grab zu Thomas Lüönd.

W.S. Neben der Sonntagsstille wurde das Wettkampfgeschehen nur noch durch den Festakt zwischen dem vierten und fünften Gang unterbrochen. Unter den schmissigen Klängen der Feldmusik Morschach zog eine Delegation des Organisationskomitees von Einsiedeln und Brunnen auf den prall gefüllten Festplatz ein. Kantonalpräsident René Schelbert fasste sich in seinem Begrüssungswort kurz. Vor allem den beiden Organisationskomitee sprach er den Dank aus.

Christoph Grab, OK-Präsident von Einsiedeln, vollzog den letzten Akt seines rund zweijährigen Amtes. Die Kantonalfahne ging nach einem Jahr in den Hände des organisierenden Mythenverbandes über. Er tat dies mit einem weinenden und lachenden Auge. «Wir haben letztes Jahr ein tolles Fest in Einsiedeln erlebt.» Im Namen des Schwingklubs Einsiedeln dankte er dem Kantonalverband für die gute Zusammenarbeit und zollte den Organisatoren von Brunnen Respekt für ihre tadellose Vorbereitung.

Für die Brunner Organisatoren sprach OK-Präsident Thomas Lüönd. Seine Dankesworte bezeugten, dass es an Unterstützung und Wohlwollen für den Schwingsport nicht fehlt. «Mit Freude heissen wir die Zuschauer, Schwinger und Fahne in Brunnen willkommen. «Wir wissen um die Bedeutung einer Fahne. Zu ihr steht man in guten und schlechten Zeiten», betonte Lüönd. Hinter eine Fahne schart man sich zu gemeinsamen Zielen. Ein Kernpunkt des Schwingens ist auch der tiefe Respekt vor dem Gegner, die Fairness. Wenn sich die Schwinger vor und nach dem Gang die Hände schütteln, der Sieger dem Unterlegenen das Sägemehl vom Rücken wischt, so darf dies in unserer dem Erfolg verfallenen Zeit nicht als reine Äusserlichkeit abgetan werden. Man wünscht sich, dass viele Auseinandersetzungen in unserem Land nach Schwingerart mit einem Handschlag beendigt würden.

Nach diesen Reden übergab Fähnrich Beat Birchler (Trachslau), die Fahne in die Hände seines Nachfolgers Roland Nideröst. Umrahmt wurde dieser Akt von verschiedenen folkloristischen Vorträgen. Dann zog das Kantonale Banner unter Applaus aus der Schwingerarena.

 

Werner Schönbächler