Lukas Bissig gewinnt zum dritten Mal in Folge
Drei Kränze am Urner Kantonalen für Einsiedler Schwinger
Martin Grab sowie die beiden Neukranzer Silvan Steinauer und Reto Pfyl freuen sich über das begehrte Eichenlaub und die erhaltenen Gaben.
Martin Grab sowie die beiden Neukranzer Silvan Steinauer und Reto Pfyl freuen sich über das begehrte Eichenlaub und die erhaltenen Gaben.
Pfyl Reto musste gegen Troxler Jonas den Kürzeren ziehen.
Der Kampf zwischen Samuel Steinauer und Roland Bucher endete gestellt.
Die Schwinger vom Schwingklub Einsiedeln sind gespannt, wer sich noch alles einen Kranz erschwingt.
Der Urner Eidgenosse Lukas Bissig triumphierte beim Urner Kantonalen vor 2’800 Zuschauern in Flüelen. Im Schlussgang bodigte er seinen Klubkollegen Michael Zurfluh nach einer Minute mit Kreuzgriff und übers Knie leeren. Für den Schwingklub Einsiedeln gab es zwei Neukranzer.
W.S. Mit dem 23-jährigen Lukas Bissig gewann der zurzeit beste Urner sein Heimfest. Damit gelang ihm der insgesamt vierte Kranzfestsieg. Er wirbelte bis auf Roman Wandeler, mit dem er zum Auftakt die Punkte teilte, all seine ihm zugeteilten Widersacher durcheinander. Nach seinem verhaltenen Start war ihm kein Kraut mehr gewachsen. Er legte Laurin Imfeld und Christian Bucher platt auf den Rücken. Mit einem weiteren Sieg gegen den Eidgenossen Jonas Burch lag er zusammen mit dem bis dahin überraschenden Ausserschwyzer Joel Kessler gemeinsam in Führung. Im direkten Duell mit Kessler erreichte er mit einer weiteren «Zehn» den Schlussgang. In diesem bezwang er nach kurzem Abtasten seinen Klubkollegen Michael Zurfluh. Die beiden verbinden nicht nur den gleichen Klub, sondern mit Attinghausen auch denselben Wohnort. «Wichtig war, dass wir den Sieg in den eigenen Reihen halten konnten», erklärte Bissig bei seinem Siegerinterview. Zum letzten Mal standen sich 1988 zwei Urner um den Tagessieg gegenüber.
Der 27-jährige Michael Zurfluh ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, was sein Palmarès von mittlerweile 21 gewonnenen Kränze belegt. Er konnte sich in Flüelen zum ersten Mal an einem Kranzfest für den Schlussgang qualifzieren. Der technisch versierte Sennenschwinger musste einzig mit Killian Bühler die Punkte teilen. Seine vier weiteren Gegner dominierte er souverän und ebnete sich den Weg mit dem Sieg gegen den Luzerner Jonas Troxkler für den Schlussgang.
Der Ehrenplatz ging an Jonas Armrhyn, den Co-Sieger des Luzerner Kantonalen. Er bestätigte damit, dass sein Erfolg vor zwei Wochen keine Eintagsfliege war. Besonders in der ersten Hälfte sorgte der ausgezeichnete Kurzzieher mit drei Siegen für Akzente. Einzig gegen Marcel Bieri musste er eine Niederlage hinnehmen. Mit zwei Siegen im Ausstich beendete er seinen gelungenen Auftritt.
Marcel Bieri, der im Vorfeld gehandelte Mitfavorit, scheiterte an den Verteidigungskünstlern Samuel Schwyzer und Christian Zemp. Nach einem verhaltenen Start drehte Samuel Schwyer mächtig auf und klassierte sich ebenfalls im geteilten dritten Rang.
Wie schon an den bisherigen vier Kantonalfesten der Innerschweiz dominierten die Luzerner mit 13 Kränzen, gefolgt von den Schwyzer (9), den Urnern (6), den Ob- und Nidwaldnern (5) und den Zugern (2).
Zwei Neukranzer
Markus Effinger, der technische Leiter des Schwingklubs Einsiedeln, war über die Leistungen seiner Schützlinge höchst zufrieden. «Dass es gleich zwei Neukranzer geben würde, habe ich nicht erwartet.» Weiter holte sich Martin Grab seinen dritten saisonalen «Kopfschmuck». Mit drei gewonnenen Kränzen war Einsiedeln zusammen mit dem Mythenverband vor March-Höfe (2) und Küssnacht (1) der erfolgreichste Schwyzer Klub. Insgesamt holten sich die Einsiedler in dieser Saison elf Kränze, was ein Achtungserfolg ist.
Im dritten Rang
Der 19-jährige Reto Pfyl fiel schon öfter mit starken Leistungen auf, doch wollte ihm der grosse «Wurf» bisher einfach nicht gelingen. Nun holte er diesen nach und gewann mit fünf Siegen und einer Niederlage seinen ersten Kranz. Der 190 cm grosse und 105 kg schwere Modellathlet durfte sich zurecht darüber freuen. Diesmal stand das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite. Neben der Niederlage gegen Jonas Troxler verliess er den Platz gleich fünfmal als Sieger. In der alles entscheidenden Begegnung behielt er gegen den Urner Sebastian Arnold nach turbulenten Momenten Oberhand. Der Sohn des ehemaligen Kranzers Urs Pfyl zählt mit seinen körperlichen Gardemassen zu den Hoffnungsträgern. Mit seinem dritten Rang blieb er bestklassierter Schwyzer.
Leichtgewicht überraschte
Der 18-jährige Maurer-Lehrling Samuel Steinauer reihte sich ebenfalls erstmals unter die Kranzträger. Das Leichtgewicht betreibt das Schwingen mit grosser Leidenschaft und entstammt der bekannten bekannten Willerzeller Ringer- und Schwingerdynastie der Steinauers. Es gelang ihm ein Exploit sondergleichen. Mit seiner feiner Technik und unbeschwerten Schwingweise bodigte er vier Gegner, darunter den Kranzer Marco Herger, und teilte die Punkte mit dem körperlich übermächtigen Roland Bucher. Einzig gegen den Verbandskranzer Marco Fankhauser zog er den Kürzeren. In einem kampfbetonten Duell vermochte er sich zuletzt mit der Maximalnote gegen den Luzerner Pascal Muff durchzusetzen.
Grab mit starkem Beginn
Nachdem er vor einer Woche am St. Galler Kantonalen trotz einer starken Leistung das Eichenlaub verpasste, setzte Martin Grab zu Beginn ein deutliches Ausrufezeichen. Er lag gemeinsam mit Jonas Amrhyn nach drei Gängen an der Spitze. Nachdem er zu Beginn Luc Bissig zum Resultat kurzte, sorgte er für eine saftige Überraschung. In einer Begegnung, die hin- und herwog, konnte er sich gegen den Zuger Eidgenossen Marco Reichmuth behaupten und erwies sich auch gegen Ueli Achermann als der Stärkere. Von Marco Fankhauser wurde er noch kurzer Zeit ausgehebelt. Mit dem Zehnerwurf gegen Patrick Emmenegger lag eine Spitzenklassierung in Griffnähe. Nach einer über weite Strecken ausgeglichenen Angelegenheit musste er gegen Samuel Schwyzer Tribut zollen. Dennoch reichte es ihm zum Kranz. Wie stark ihn seine im Anschwingen zugezogene Schulterverletzung ist, werden weitere Abklärungen ergeben.
Fabian Birchler machte nach einem missglückten Anschwingen mit der Niederlage gegen David Wüst und dem Gestellten gegen Manuel Bucher mit drei Siegen viel Terrain gut und durfte sich noch Kranzhoffnungen machen. Gegen Reto Bürgi mühte er sich vergeblich ab und verpasste den Kranz um einen halben Zähler. Florian Grab konnte nach seiner Knieverletzung nicht an seine frühere Form anknüpfen. Mit der Niederlage gegen Elias Lüscher zum Abschluss musste er ohne Kranz die Heimreise antreten.
Kevin Steinauer war nach vier Gängen mit drei gewonnenen Gängen und einer Niederlage an dritter Stelle anzutreffen. Im Ausstich lief es ihm mit den Niederlagen gegen den Eidgenossen Jonas Burch und Kevin Waser überhaupt nicht mehr
Andrin Kauflin, Stephan Grab und Adrian Horath blieben ebenfalls bis zum Schluss dabei und trugen damit ihren Teil zum erfolgreichen Abschneiden des Schwingklubs Einsiedeln bei.
Werner Schönbächler