Der Sieg ging an den Einheimischen Marcel Bieri

Zuger Kantonalschwingfest in Oberägeri vor 2’700 Zuschauern

Fabian Birchler sichert sich den Kranz mit dem Sieg gegen Zenklusen Matteo.

Der junge Willerzeller Steinauer Silvan verliert gegen Thierstein Marco.

Der Zuger Marcel Bieri gewinnt mit Kurz den Schwyzer Bruno Suter mit Kurz.

Marcel Bieri bodigte im Schlussgang nach 5:22 Minuten den Schwyzer Überraschungsmann Bruno Suter mit einem Prachtskurz und konnte damit sein Heimfest zum dritten Mal gewinnen. Vom Schwingklub Einsiedeln holte sich der Trachslauer Fabian Bircher den Kranz.

W.S. Durch das ausgeglichene Teilnehmerfeld stellte sich die Frage, wer den Tagessieg holen würde. Nach dem Anschwingen lagen Thomas Bucher und Ivan Thöni mit dem Höchsttotal an der Spitze. Weitere 16 Schwinger wiesen ebenfalls zwei Siege auf. Von den vier angetretenen Eidgenossen kam als einziger der Entlebucher Marc Lustenberger ungeschoren über die Runden. Bei Halbzeit – nach drei Gängen – konnte Thomas Bucher seinen Leaderthron halten. Gefahr drohte von den Berner Gästen Ivan und Reto Thöni, die mit ihrer attraktiven Schwingweise das Geschehen belebten und für viel Schwung sorgten. Im nächsten Durchgang lief alles für den verhalten gestarteten Marcel Bieri. Die Rangliste erfuhr eine erste Flurbereinigung und nahm allmählich Profil an. An der Spitze vor dem Ausstich standen die beiden Eidgenossen Marc Lustenberger und Marcel Bieri.

Um die Schlussgangteilnahme gewann Marcel Bieri mit einem Gewaltskurz gegen den bisher überraschenden Obwaldner Roman Bucher. Vom unentschiedenen Ausgang zwischen Marc Lustenberger und Lukas Heinzer profitierte Bruno Suter. Er erreichte mit der Höchstnote gegen den nur schwer zu bewingbaren David Wüst das finale Duell.

Bieris Steigerung

Nach 2017 und 2021 konnte sich Marcel Bieri zum dritten Mal den Siegeskranz aufsetzen lassen. Der 31-jährige Turnschwinger musste dafür aber alles in die Waagschale werfen. In einer farblosen Begegnung mit Sven Schurtenberger neutralisierten sich die beiden gegenseitig und teilten die Punkte. Damit stand Bieri bereits unter Druck und durfte sich keine Punkteeinbussen mehr leisten. Mit den Siegen gegen Bruno Schürpf und Fabian Birchler machte er Terrain gut und profitierte von den Gestellten der vor ihm liegenden Kontrahenten. Mit der Höchstnote gegen Urs Doppmann hatte er den Anschluss zur Spitze endgültig geschafft und manövrierte sich damit in eine günstige Ausgangslage um den Tagessieg, die er nicht mehr aus den Händen gab. «Im Schlussgang habe ich von Beginn weg Vollgas gegeben, musste aber achtsam sein, um nicht in einen Konter zu laufen.» Der Muttertag scheint dem Berufslehrer zu liegen, gewann er doch schon letztes Jahr am selben Tag des Schwyzer Kantonalfest in Einsiedeln. Er holte sich seinen sechsten Kranzfestsieg und 48. Kranz.

Der 23-jährige Schwyzer Bruno Suter sorgte mit seiner Schlussgangteilnahme für eine Überraschung. Neben der Niederlage gegen Jonas Theiler blieb er viermal siegreich und konnte sich dreimal die Höchstnote schreiben lassen. Der 25-jährige Jonas Troxler kam nach dem Startunentschieden gegen Fredi Bruhin zu fünf Siegen. Mit Nils Theiler als Dritter holte ein weiterer Luzerner einen Lebenspreis. Er unterlag nach harter Gegenwehr einzig gegen den Goldauer Lukas Heinzer. Sein Gesellenstück gelang ihm mit dem Sieg gegen den Eidgenossen Marco Reichmuth.

Die Luzerner holten von den 33 abgegebenen Kränzen vor den Zugern (8), den Schwyzern (6), den Ob- und Nidwaldnern und Bernern (je 2) sowie den Urnern (1) mit 14 den Löwenanteil und unterstrichen damit nach dem Ob- und Nidwaldner Kantonalen erneut ihre Mannschaftsstärke.  Unter den fünf Neukranzern ist mit Timon Brunner auch ein Schwyzer zu finden.

Birchler mit toller Leistung

Von den neun angetretenen Aktiven des Schwingklubs Einsiedeln kämpften vier Schwinger um den begehrten Kranz. Als einziger konnte sich der Trachslauer Fabian Birchler den Kranz aufs Haupt setzen lassen. Der Sennenschwinger startete mit zwei Siegen gegen den zähen Urner Jonas Gisler und den Verbandskranzer Andreas Elmiger wunschgemäss in den Wettkampf. Nach der Niederlage gegen Marcel Bieri behielt er gegen Severin Krumenacher das bessere Ende. Da er mit Marco Thierstein die Punkte teilte, blieb ihm nichts anderes übrig, als zuletzt alles auf eine Karte setzen. Dabei nahm er das Zepter gegen Matteo Zenklusen fest in seine Hände und kam zu einem platten Sieg. Damit holte sich der 26-jährige Metzger seinen vierten Kranz in seiner Laufbahn.  

Pech hatte das Bennauer Leichtgewicht Jan Walker, dem für das Eichenlaub lediglich ein Viertelspunkt fehlte. Nach einem gelungenen Auftakt mit zwei Siegen wurden ihm harte Brocken vorgesetzt. Dass er dem Verbandskranzer Fabian Scherrer ein Unentschieden abtrotzte, darf als Achtungserfolg gewertet werden.

Florian Grab erlebte ein Wechselband der Gefühle. Nach der Starniederlage gegen Beat Suter vermochte er sich aufzufangen und zählte vor dem letzten Gang zu den Kranzanwärtern. In einer offenen Begegnung unterlag er dem Eidgenossen Marco Reichmuth auf einen Fussstich.

Das gleiche erfuhr der Willerzeller Kevin Steinauer. Er musste um den begehrten «Kopfschmuck» dem erfahrenen Luzerner Kranzer Urs Doppmann die Siegespunkte überlassen.

Reto Pfyl konnte nach zwei Siegen und drei Niederlagen nicht mehr um den Kranz schwingen. Mit dem Sieg gegen Julian Schmid gab es für einen versöhnlichen Abschluss.

Der erst 16-jährige Silvan Steinauer zeigte einen erfreulichen Auftritt. Nach seinen beiden Siegen im Anschschwingen musste er gegen die Kranzer Andri Krauer und Patrice Bühler den Kürzeren ziehen. Mit dem Sieg gegen Roman Roner machte er wieder Terrain gut und blieb um die Kranzgewinne im Rennen. In einem auf Biegen und Brechen geführten Duell wurde er vom erprobten Kranzer Marco Thierstein zu den Verlierern gereiht. Mit dieser Leistung deutete er an, dass mit ihm gerechnet werden darf.

Die Jungschwinger Stephan Grab und Remo Kälin blieben ebenfalls bis zum Schluss dabei.

Werner Schönbächler