Weil es im Schlussgang keinen Sieger gab, jubelten drei Schwinger
Luzerner Kantonalschwingfest in Ruswil vor 8’300 Zuschauern mit komischem End
Martin Grab im Kampf gegen den Eidgenossen Marc Lustenberger
Martin Schönbächler duelliert sich mit tim Lustenberger
Das Siegertrio Benno Heinzer, Jonas Amrhyn und Roman Wandeler
Weil sich Sven Schurtenberger und Michael Gwerder im Schlussgang gegenseitig neutralisierten, gab es gleich drei Sieger: Die beiden Luzerner Romand Wandeler und Jonas Amrhyn sowie der Schwyzer Benno Heinzer. Für den Schwingklub Einsiedeln holten Martin Grab und Martin Schönbächler den Kranz.
W.S. Das erwartungsvolle Publikum erlebte einen eher verhaltenen Auftakt der Spitzenschwinger. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, endeten ihre Begegnungen vielfach mit einem Unentschieden. Dazu zählte auch das mit Spannung erwartete Duell zwischen dem Thurgauer Gast Samuel Giger und dem 160-Kilo-Hünen Sven Schurtenberger. Abgesehen von einigen Angriffen von Giger war es durch Vorsicht geprägt, womit der Luzerner den Auftrag der Innerschweizer erfüllte. Feststimmung kam auf, als Michal Gwerder den weiteren Gastschwinger aus der Ostschweiz, Domenic Schneider, mit einem Kurz-Fussstich für einem Moment ins Wanken brachte. Damit durfte sich das Thurgauer-Duo bereits keinen Ausrutscher mehr leisten. Obschon die beiden darauf gewinnen konnten, liessen sie Punkte liegen, da ihnen die Höchstnoten fehlten. So gesehen verlief der Auftakt für die Innerschweizer optimal. Sie hatten sich damit ein solides Fundament für den weiteren Verlauf geschaffen. Nachdem Samuel Schwyzer, wie schon vor einem Jahr am «Innerschweizer» Samuel Giger ein Unentschieden abgetrotzt hatte, war der Thurgauer entscheidend zurückgebunden.Nach drei Gängen war Silvan Appert alleiniger Leader, gefolgt von einem Trio mit ebenfalls einem makellosen Notenblatt. Weitere im Vorfeld genannte Favoriten, wie die Edgenossen Michael Gwerder, Sven Lang und Sven Schurtenberger, lagen in Lauerposition.
Nach dem nächsten Durchgang stand Jonas Troxler mit einer reinen Weste allein an der Spitze. Neben ihm hatten auch noch die Eidgenossen Silvan Appert, Michael Gwerder und Sven Schurtenberger intakte Chancen für die Schlussgangteilnahme, deren Ausmarchung spannend verlief. Silvan Appert und Jonas Amrhyn machten nach einer Punkteteilung in einem begeisternden Duell den Weg frei für Michael Gwerder und Sven Schurtenberger fürs finale Duell. Gwerder bezwang Jonas Troxler, und Sven Schurtenberger kam zu einem Plattwurf gegen Luc Bissig.
Im Schlussgang lief nicht allzuviel. Die beiden stiessen sich gegenseitig bis zum Platzrand, wobei Gwerder zugute gehalten werden kann, dass er einige Angriffe lancierte. Da beide dafür die Note 8.75 erhielten, kam auch Schurtenberger, der einen Viertelspunkt mehr aufwies, für den ersten Platz nicht mehr in Frage. So ergab sich die Situation, dass es gleich drei Sieger gab, was im Schwingen keine Seltenheit ist, aber von den Zuschauern nicht besonders geschätzt wird.
Der 34-jährige Sven Schurtenberger verpasste damit die Gelegenheit, seinen zehnten Kranzfestsieg ins Trockene zu bringen. Nach seinem Start-Unentschieden bearbeitete er seine Kontrahenten ins seiner unverkennbaren Art, bis sie sturmreif waren und realisierte dabei drei Höchstnoten.
Dass sich Michael Gwerder immer mehr zu einer tragenden Stütze der Innerschweizer entwickelt, bewies er ein weiteres Mal. Wie sein Schlussgang-Antipode setzte mit drei Zehnerwürfen zu einer Aufholjagd an. Dabei gab er Patrice Bühler, Jonas Amrhyn und Fabian Scherrer auf überzeugende Art das Nachsehen.
So kam es zum besonderen Ende mit drei Siegern. Dabei hatte der organisierende Schwingklub Rottal doppelten Grund zum Feiern. Mit Roman Wandeler und Jonas Amrhyn stellten er gleich zwei Co-Sieger.
Der 23-jährige Roman Wandeler wurde mit dem Siegermuni «Ford» belohnt. Neben der Niederlage gegen Domenic Schneider konnte er fünf Siege an seine Fahne heften. Zuletzt gelang es ihm, den zähen Urner Michael Zurfluh platt zu werfen. «Als die letzte Minute des Schlussgangs lief, war ich sehr nervös, da ich über die Konstellation bei einem Unentschieden informiert war», erklärte der Polymechaniker.
«Der Sieg ist schon etwas verrückt», meinte der völlig verdutzte Benno Heinzer. Mit seinen erst 19 Jahren war er der Jüngste deserfolgreichen Trios. Der Zimmermann blieb mit zwei Unentschieden und vier Maximalen ohne Niederlage.
Jonas Amrhyn fiel mit seiner draufgängerischen Schwingweise auf, die ihm ebenfalls vier Maximalnoten einbrachten. «Der Sieg an meinem Wohnort bedeutet mir sehr viel.»
Grab und Schönbächler
Von den 47 abgegebenen Kränzen ging dreissig an die Luzerner, acht an die Schwyzer, vier an die Ob- und Nidwaldner, drei an die Zuger und zwei an die Nordostschweizer.
Für den Schwingklub Einsiedeln gab es erfreulicherweise zwei Kränze. Martin Grab startete mit der keineswegs zwingenden Niederlage gegen Kilian Bühler, worauf er Severin Krummenacher und Luca Schaller mit herrlichen Würfen platt zu den Verlierern reihte. In einer hochstehenden Begegnung gelang es ihm gegen den Eidgenossen und Mitfavoriten Marc Lustenberger die Punkte zu teilen. Diese Darbietung trug den beiden Szenenapplaus ein. Obschon er den wendigen Severin Egli den besseren Teil hatte, wollte ihm der Siegeswurf einfach nicht gelingen. Damit musste er zuletzt alles auf eine Karte setzen, um den Kranz noch zu ergattern. Dies gelang ihm gegen Noah Schaller, den übers Knie zum Resultat leerte. Damit holte er sich eine Woche nach dem Schwyzer Kantonales sein zweites Eichenlaub.
Martin Schönbächler startete mit einer vermeidbaren Niederlage gegen den späteren Tagessieger Roman Wandeler und kam darauf zu schnellen Siegen gegen Manuel Bieri und Severin Egli, die er am Boden festnageln konnte. Mit dem kaum zu bezwingbaren Tim Lustenberger mühte er sich vergeblich über die volle Zeit ab. So blieb für ihn nichts anderes übrig, als im Ausstich alles in die Waagschale zu werfen. Während er Patrik Emmenegger schnell besiegte erwartete ihn zum Abschluss mit dem 26-fachen Entlebucher Reto Fankhauser eine schwierige Hürde. Nach einem Abnützungskampf kam er mit einem hohen Kurz zum Erfolg, was bereits seinen dritten Kranz in dieser Saison bedeutete. Pech hatten Samuel Steinauer und Jan Walker, denen der für den Kranzgewinn benötigte Sieg zum Abschluss einfach nicht gelingen wollte. So trennte sich Steinauer mit dem Kranzer Andri Krauer und Walker mit Christian Ackermann resultatlos. Besonders für Jan Walker war es ein hartes Verdikt, nach seinen beiden Unentschieden gegen die Verbanskranzer Niklaus Scherer und Reto Fankhauser. Der 16-jährige Silvan Steinauer besass ebenfalls noch intakte Kranzchancen, doch musste er sich zuletzt vom Entlebucher Martin Felder das Sägemehl vom Rücken wischen lassen. Wie schon am Schwyzer Kantonalen stellte Cyrill Styger (17) seine Fortschritte ein weiteres Mal unter Beweis. Wenn er weiter hart an sich arbeitet, wird man von ihm noch hören. Der Alpthaler Daniel Steiner büsste noch einem Start mit zwei Siegen in den weiteren Gängen Terrain ein. Dabei wurden ihm mit drei erprobte Kranzer zugeteilt. Weiter erreichte Mike Schuler ebenfalls den Ausstich und rundete damit den guten Leistungsausweis des Klubs ab.
Werner Schönbächler