Marc Lustenberger und Samuel Schwyzer sorgten für einen Luzerner Doppelsieg
Innerschweizer Schwing- und Älplerfest vor 11’000 Zuschauern
Samuel Steinauer kommt mit Stich zum Sieg
Martin Schönbächler greift mit innerem Haken an
Obschon sich die beiden Luzerner Marc Lustenberger und Samuel Schwyzer im Schlussgang gegenseitig neutralisierten und dafür die Note 8.75 erhielten, gewannen sie gemeinsam das Teilverbandfest. Die Einsiedler mussten den Heimweg ohne Kranzgewinn antreten.
W.S. Die Hauptfrage lautete, ob die Innerschweizer die Gäste aus den anderen Teilverbänden in Schach zu halten vermögen. Der Auftakt verlief zugunsten der Innerschweizer, womit sie sich in eine günstige Ausgangslage manövrierten. Obschon ihr derzeitiger Leader Lukas Bissig mit Domenic Schneider kein Siegesrezept fand, durfte er noch keineswegs abgeschrieben werden. Nachdem Schneider in dem von vielen Offensivaktionen geprägten Gang mit Marco Fankhauser eine weitere Punkteteilung hinnehmen musste, war der Weg für die Innerschweizer frei, da auch die anderen Gäste keine entscheidenden Akzente zu setzen vermochten. Die beiden Schwyzer Silvan Appert und Marc Lustenberger hatten von den Eidgenossen als Einzige noch eine reine Weste.
Bei Halbzeit lagen die beiden Luzerner Marc Lustenberger und Samuel Schwyzer gemeinsam in Führung. Weiter totalisierte noch der Nichtkranzer Makus Kiser ebenfalls drei Siege. In Tuchfühlung mit diesem Trio lagen die Eidgenossen Silvan Appert, Marcel Bieri und Michael Gwerder. Im nächsten Durchgang überschlugen sich die Ereignisse. So wurden die beiden Eidgenossen Silvan Appert und Michael Gwerder mit Niederlagen aus der engeren Entscheidung geworfen. Mit einem weiteren Gestellten musste der Thurgauer Domenic Schneider zu diesem Zeitpunkt gar um den Kranzgewinn bangen. Nach vier Gängen lag Marc Lustenberger einen Viertelspunkt vor Samuel Schwyzer. In Tuchfühlung mit der Spitze blieben Marcel Bieri und Marco Fankhauser.
Vor dem Ausstich präsentierte sich somit die Ausgangslage um die Schlussgangteilnahme und die Kranzgewinne äusserst offen.
Als erster vermochte sich Samuel Schwyzer für den Schlussgang zu qualifizieren. Es gelang ihm den Schlunggversuch von Marcel Bieri abzufangen und zu seinen Gunsten auszuwerten. Marc Lustenberger und Christian Zemp lieferten sich einen dramatischen Fight, der auf beide Seiten hätte gehen können. Nach turbulenten Momenten kam Lustenberger mit einem klassischen Wyberhaken zum Resultat.
Zweiter Kranzfestsieg
Der 23-jährige Marc Lustenberger zeigte während des ganzen Tages Schwingen vom Allerfeinsten. Dem entfesselten Entlebuchter erwischte mit den Siegen gegen den Berner Eidgenossen Lukas Tschumi und Kevin Steinauer ein Start nach Mass. Nach der Höchstnote gegen den Westschweizer Victor Cardinaux doppelte er gegen Michael Gwerder in seiner unverkennbaren Art nach. Nachdem Samuel Schwyzer, am «Eidgenössischen» 2025 oder beim diesjährigen Nordostschweizer Schwingertag ein Viertelspunkt für den Kranzgewinn fehlte, stand Glückgöttin Foruna diesmal auf seiner Seite. Der vielseitige Turnschwinger, der auch ein erfolgreicher Nationalturner ist und vor Jahren als Ringer mit guten Leistungen von sich reden machte, wuchs im Verlaufe des Tages förmlich über sich hinaus. Nachdem er zu Beginn Florian Aellen und Cyrill Krieg den Tarif bekanntgab, legte er mit einem wuchtigen Kopfgriff Lukas Heinzer platt ins Sägemehl, was ihn sichtlich beflügelte. In einer taktisch klug geführten Begegnung gab er Silvan Appert das Nachsehen «Da wir öfter miteinander trainieren, haben wir mit dosiertem Risiko geschwungen», erklärte Marc Lustenberger beim Siegerinterview. Damit holte er nach dem Gewinn des Ob- und Nidwaldner Kantonalen im letzten Jahr seinen zweiten Kranzfestsieg.
«In letzter Zeit fehlte mir oft das nötige Quäntchen Glück, doch diesmal klappte es endlich», freute sich der 25-jährige Samuel Schwyzer über seinen Co-Sieg.
Die beiden Sieger holten im Übrigen am gleichen Tag gemeinsam ihre erste «Schlaufe» und Teilverbandskranz und nun als Krönung auch noch den ersten Kranzfestsieg.
Der Urner Lukas Bissig vermochte die in ihn gesetzten Erwartungen vollauf zu erfüllen. Nachdem er sich mit Domenic Schneider resultatlos trennte, rollte er das Feld mit fünf Siegen im wahrsten Sinne des Wortes von hinten auf. Dabei liess er nichts anbrennen und hatte seine Kontrahenten jederzeit fest im Griff. Auf den nächsten Plätzen klassierten sich mit Simon Schmid, Fabian Scherrer und Luc Bissig lauter Luzerner.
Schwyzer etwas unter den Erwartungen
Die Luzerner holten mit 15 «Exemplaren» vor den Schwyzern (6), den Urnern (3), den Zugern (3), den Ob- und Nidwaldnern (2) sowie den Gästen (2) den Löwenanteil der 31 abgegebenen Kränze. Die Schwyzer konnten sich gegenüber dem letzten Jahr um eine «Schlaufe» steigern. Gemeinsam im fünften Rang klassierten sich Patrick Betschart, Lukas von Euw und Michael Gwerder. Weiter vermochten sich der Ausserschwyzer Fredi Bruhin, Silvan Appert und Lukas Heinzer unter die Kranzträger zu reihen. Als Fazit kann festgehalten werden, dass die Schwyzer ihre gute Ausgangslage nach dem Anschwingen nicht zu nutzen vermochten und besonders im Ausstich unglücklich kämpften.
Einsiedler enttäuschten
Die Aktiven des Schwingklubs Einsiedeln zogen einen schwarzen Tag ein. Bereits beim Einlaufen verletzte sich Martin Grab und konnte den Wettkampf nicht in Angriff nehmen.
Dem Bennauer Jan Walker fehlte nach einer soliden Leistung als Bester lediglich ein halber Punkt für den Kranzgewinn. Nach drei Gängen war er in der Zwischenrangliste noch weit vorne anzutreffen. Fabian Birchler machte zwar nach einem missratenen Anschwingen Terrain gut, doch lag der Kranzgewinn trotz zweier Siege zum Abschluss ausser Reichweite. Martin Schönbächler, der als grosser Hoffnungsträger startete, musste bitter erfahren, dass die Bäume im Schwingen nicht allzu schnell in den Himmel wachsen. Nach den beiden Start-Unentschieden gegen Oliver Hermann und Ueli Achermann konnte er Noah Schaller platt besiegen. Obschon er Urs Riebli nach allen Regel bearbeitete, wollte ihm der Siegeswurf einfach nicht gelingen. Viele Zuschauer sahen allerdings seinen Kontrahenten auf dem Rücken. Mit einem Zehnerwurf gegen Ivan Duss wahrte er sich Kranzchancen. Doch zuletzt musste er nach einer offenen Begegnung gegen Christian Bucher Tribut zollen. Florian Grab tat sich nach seiner verletzungsbedingten Rückkehr noch schwer. Vor den beiden letzten Gängen besass er noch intakte Kranzchancen, die er jedoch nicht zu nutzen wusste und gegen Roger Bürli und Marco Hürlimann unterlag. Nicht besser erging es dem frischgebackenen Kranzer Reto Pfyl. Er verlor zuletzt gegen den gross auftrumpfenden Christian Zemp. Das Brüderduo Samuel und Kevin Steinauer erreichte wohl den Ausstich, konnte aber nicht um das Eichenlaub mitreden. Pech hatte Andrin Kauflin, der nach drei Gängen verletzungsbedingt den Wettkampf nicht mehr fortsetzen konnten.
Werner Schönbächler