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Zuger Kantonales

Sonntag, 05. Mai 2024

Aufholjagd von Joel Wicki wurde belohnt

Florian Grab im Schlussgang gegen Joel Wicki

Kevin Steinauer zieht seinen Gegner an

Sämi Steinauer verteidigt sich geschickt

Zuger Kantonalschwingfest in Cham vor 4'000 Zuschauern

 

Schwingerkönig Joel Wicki bezwang im Schlussgang nach 14 Sekunden Überraschungsmann Florian Grab und kam damit nach 2022 zu seinem zweiten Sieg. Der Nachwuchs marchte sich stark bemerkbar.

W.S. Obschon mit den kurzfristigen Absagen einiger der ganz grossen Tenöre das Salz in der Suppe etwas fehlte, erlebten die Zuschauer einige gepfefferte Überraschungen, wonach es nach dem Auftakt nicht aussah. Doch schon im zweiten Durchgang kam es zur Schlüsselbegegnung zwischen Schwingerkönig Joel Wicki und Marcel Bieri. Wicki ergriff sofort die Initiative, doch sein hellwacher Gegner kam mit Übersprung zum vielbejubelten Resultat vor den einheimischen Zuschauer. Damit wurde das Fest so ganz nach dem Geschmack des Publikum so richtig lanciert. Bei Halbzeit führte der «Königs-Bezwinger» zusammen mit Patrick Betschart, Beat Suter und dem Nichtkranzer Christian Zemp. Joel Wicki vermochte sich aufzufangen und durfte mit 1.25 Punkten Rückstand noch keineswegs abgeschrieben werden.

Statt dass sich der Weizen vom Spreu zu trennen begann, kam es wegen Punkteteilungen des führenden Spitzenquartetts zum totalen Zusammenschluss: Florian Grab, Marcel Betschart und Joel Suter lagen mit einem Viertelspunkt vor einem Dutzend Schwinger gemeinsam an der Spitze. Das Fest konnte wieder von vorne beginnen und das Rennen für den Schlussgang war völlig offen. Als erster holte sich Florian Grab mit einem Plattwurf gegen den unbequemen Florian Ulrich das Ticket für den Endkampf. Als seine Verfolger lagen Lukas Bissig, Joel Wicki und Christian Bucher auf dem zweiten Rang. Aus diesem Trio erhielt Joel Wicki den Zuschlag. Dem ebenfalls siegreichen Marcel Bieri fehlte dafür ein Viertelspunkt.

Wickis Aufholjagd

Schwingerkönig Joel Wicki erlebte ein Wechselbad der Gefühle. So gab es für ihn Hochs und Tiefs. Mit dem Startsieg gegen Marco Nägeli schien für ihn alles nach Plan zu laufen. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Nach der Niederlage gegen Bieri durfte sich der «König» keinen Ausrutscher mehr leisten, was eine äusserst delikate Aufgabe war. Wie er sich von der Niederlage erholte, spricht für seine grosse Klasse. Mit zwei schnellen Zehnerwürfen gegen Kevin von Wyl und Ueli Hegner manövrierte er sich für den Ausstich in

eine günstige Ausgangslage, die er resolut zu nutzen vermochte. So bearbeitete er Marco Reichmuth unablässig bis zu dessen endgültiger Kapitulation und verschaffte sich damit den für viele nicht für möglich gehaltenen Zutritt um den Tagessieg.

Überraschend, aber verdient

Dass der Schwingsport von Überraschungen lebt, sorgte Florian Grab. Er drang überraschend, aber verdient in den Schlussgang vor. Bereits im Anschwingen gelang es ihm Noah Schaller und den höher eingestuften Urs Doppmann mit Übersprung platt ins Sägemehl zu befördern. Chancenlos blieb er nach diesem Traumstart gegen Marcel Bieri, der sich damit für die erlittene Niederlage am letztjährigen Siebner Herbstschwing mit einem wuchtigen Kurzzug erfolgreich zu revanchieren vermochte. Mit einer weiteren Höchstnote gegen Sebastian Arnold stand er zuoberst des Zwischenklassements.

Der Schlussgang wurde dann zu einer kurzen Angelegenheit. Grabs Kurzversuch konterte Wicki blitzschnell mit Wyberhaken und vervollständigte mit anschliessendem Nackenhebel zum Resultat. «Aus Niederlagen lernt man zu gewinnen, man darf einfach nicht zu hadern beginnen. Eine Unaufmerksamkeit gegen Bieri wurde mir zum Verhängnis. Doch Bieris Wurf war schlichtweg ausgezeichnet», hielt der Joel Wicki fest. Damit feierte der Entlebucher seinen 23. Kranzfestsieg in seiner grossartigen Laufbahn. Bereits vor zwei Jahren konnte er den Sieg am Zuger Kantonal nach einer Niederlage noch an seine Fahne heften.

Marcel Bieri belegte nach einer starken Leistung den alleinigen zweiten Rang. Neben fünf Siegen musste er die Punkte mit Samuel Schwyzer teilen. Im Ausstich hielt er sich gegen Jonas Durrer und Lukas Bissig schadlos. Der Obwaldner Stefan Ettlin sorgte darf, dass die Schlussrangliste Profil hatte. Der rassige Turnschwinger blieb ungeschlagen und beendete den Wettkampf mit zwei Zehnerwürfen.

Erfreulicherweise konnte sich ein Quintett erstmals den «Kopfschmuck» aufs Haupt setzen lassen. Dabei fiel besonders Kaderringer Christian Zemp mit den Gestellten gegen Stefan Ettlin und den Eidgenossen Erich Fankhauser auf.

Von den total 33 abgegebenen Kränzen holten sich Luzern und Zug mit zehn Exemplaren den Löwenanteil, gefolgt von Schwyz (8), Uri (3) sowie Ob- und Nidwalden (2). Die Gäste vom Schwingklub Albis gingen wie die Tessiner leer aus.

Dreimal Kranz verpasst

Dass ein Kranzgewinn immer eine zähe Angelegenheit ist, mussten die meisten der 191 angetretenen Schwinger erfahren. So auch einige Wettkämpfer des Schwingklubs Einsiedeln. Dem Eidgenossen Alex Schuler fehlte mit je drei Siegen und Unentschieden ein halber Punkt für das Eichenlaub. Im Ausstich verpasste er bei den beiden Siegen die Maximalnoten. Nach dem vierten Gang blieben Kevin Steinauer zwei Chancen für seinen ersten Kranz. Zuerst trennte er sich mit Leo Riebli resultatlos und zuletzt verlor er gegen den Luzerner Adrian Egli. Fabian Birchler hätte zuletzt gegen Matthias Hürlimann für seinen zweiten Kranzgewinn eine Zehn benötigt. Er warf alles in die Waagschale und wurde dabei prompt ausgekontert. Viel Freude bereiteten die beiden 17-jährige Leichtgewichte Samuel Steinauer und Daniel Steiner mit ihrer unbekümmerten Schwingweise. Obschon auch bei ihnen das Tüpfchen auf dem i fehlte, dürften sie den Weg machen. Ebenfalls in den Kranzausstich gelangten Adi von Euw, Christian Lagler, Remo Marty sowie Jonas Odermatt und Stephan Grab. Bereits am nächsten Sonntag am Schwyzer Kantonalen haben sie die Möglichkeit, es noch etwas besser zu machen.

Werner Schönbächler

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