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Zuger

Sonntag, 05. Mai 2019

1. Kranz für Martin Grab jr.

Der 23-jährige Pirmin Reichmuth besiegte im Schlussgang in der fünften Minute mit Kurz-Übersprung Marcel Bieri. Der Rothenthurmer Martin Grab konnte sich erstmals den Kranz aufs Haupt setzen lassen. 

W.S. Bei misslichen Wetterverhältnissen, die nicht mehr hätten schlimmer sein können, wurden die Zuschauer und besonders die Schwinger vor eine eigentliche Härteprobe gestellt. Sie mussten bei gelegentlichem Schneefall in die Sägemehlringe steigen, was ihnen doch einiges abverlangte. Dass bei diesen Bedingungen keine echte Feststimmung aufkommen wollte, bedarf wohl keiner weiteren Erklärungen. Doch einmal mehr zeigte sich, dass die Schwingfestbesucher wetterfest sind. Die Schwinger liessen sich deswegen nicht entmutigen und setzten alles auf eine Karte. Besonders Pirmin Reichmuth und Marcel Bieri gelang dies auf eindrückliche Art. Sie hatten als Einzige bei Halbzeit (nach drei Gängen) noch eine reine Weste und lagen deutlich in Führung, was sich auch nach dem nächsten Durchgang nicht änderte. Die beiden Protagonisten vermochten sich für den Schlussgang zu qualifizieren. 

Dass der 23-jährige Pirmin Reichmuth in Form ist, unterstrich er mit drei Siegen an den Vorbereitungsanlässen. Der grossgewachsene Sennenschwinger benötigte für seine ersten drei Siege nicht lange und konnte dabei viel Kraft sparen. Wie er Andi Imhof, Simon Zimmermann und Christian Odermatt  mit wuchtigen Schwüngen bodigte, war Extra-Klasse. Im Schlüsselduell beförderte er Mike Müllestein mit Übersprung ins Sägemehl. Ebenfalls keine Chance liess er Verteidigungskünstler Bruno Linggi und hatte ihn von Beginn weg fest in den Griffen. Der Zuger, der wegen mehrerer Knieoperationen schon Rücktrittsgedanken hatte, freute sich mächtig über diesen Sieg. «Das ist für mich eine riesige Sache und gibt mir viel Selbstvertrauen. Ich konnte mich gut auf Marcel Bieri einstellen und bin mit der Kurz-Übersprung-Kombination, die ich von Mike Müllestein übernommen habe, zum Ziel gelangt.»

Marcel Bieri, Sieger vor zwei Jahren, konnte sich zum Auftakt gegen den vierfachen Eidgenossen Andreas Ulrich mit Übersprung behaupten und setzte seinen Siegeszug mit Zehnerwürfen gegen Jonas Burch, Reto Gloggner und Michael Müller fort. In einem taktisch klug geführten Duell gelang es ihm, Joel Wicki einen Gestellten abzutrotzen, was ihm für den Schlussgangzutritt reichte. 

Der Urner Andi Imhof rollte nach seiner Startniederlage mit fünf Siegen das Feld im wahrsten Sinne des Wortes von hinten auf. Zuletzt reihte er Andreas Ulrich auf die Verliererbank. Den zweiten Rang musste er mit dem Luzerner Ringerspezialisten Werner Suppiger teilen, der ohne Niederlage blieb. Remo Betschart rundete das Ergebnis der starken Zuger ab. Hauptfavorit Joel Wicki sah sich nach dem Start-Unentschieden gegen Marcel Mathis bereits unter Siegeszwang und durfte sich nach dem vierten Gang noch Hoffnungen auf den Sieg ausrechnen. Doch dieser Traum platzte mit der Punkteteilung gegen Marcel Bieri. 

Die Vermutung, dass die Schwyzer nach mehreren Rücktritten einiger Spitzenschwinger kleinere Brötchen backen müssen, bewahrheitete sich. Als Bester klassierte sich Franz-Toni Kenel im vierten Rang. 

Von den sechs Schwyzer Kränzen holte der Rigiverband mit drei «Exemplaren» am meisten, gefolgt von Einsiedeln, dem Mythenverband und March-Höfe mit je einem. 

Grab mit erstem Kranz

Nachdem sein gleichnamiger Vater letztes Jahr am Zuger Kantonalen in Menzingen als Sieger hervorging, konnte sich Martin Grab erstmals krönen lassen. Der noch nicht 20-jährige Rothenthurmer erwischte mit den Siegen gegen Lars Mehr und Marcel Betschart einen wunschgemässen Start. Nach der Niederlage gegen Michael Müller teilte er nach einer äusserst intensiven Begegnung mit dem Verbandskranzer Stefan Langensand die Punkte. Im Ausstich durfte er sich keinen Ausrutscher mehr für den Kranzgewinn leisten. Er bewies dabei viel taktisches Geschick und bearbeitete Manuel Vogel und Urs Riebli unablässig mit den verschiedensten technischen Varianten, bis sie sturmreif waren. Pech hatten vier Aktive des Schwinglubs Einsiedeln, die um das Eichenlaub scheiterten. Der Willerzeller Adrian Steinauer blieb mit je drei Siegen und Unentschieden zwar geschlagen. Er konnte aber zuletzt im alles entscheidenden Gang die Verteidigung von Patrick Wicki, trotz grösster Bemühungen, durchbrechen. Nicht besser erging Roland Kälin, der dem Zuger Hünen Dominik Waser Tribut zollen musste. Einmal mehr war Christian Lagler nahe am Kranzgewinn. Doch zuletzt verliess ihn das Wettkampfglück gegen Christian Bucher und musste sich geschlagen geben. Michael Hess schwammen die Felle mit den Niederlagen gegen Ivan Rohrer und Armin Reichmuth im Ausstich davon. 

Der Eidgenosse Alex Schuler verlor im Anschwingen mit den Unentschieden gegen Werner Suppiger und Marcel Elsener bereits viel Terrain. Obschon er sich aufzufangen vermochte, musste er nach der Niederlage gegen Reto Fankhauser den «Kopfschmuck» vergessen.   

Nicht besser als ihm erging es anderen Eidgenossen wie Mike Müllestein und Marcel Mathis.

Der 16-jährige Michael Kälin verpasste den Ausstich noch deutlich. 

 

 Martin Grab, Neukranzer des Tages

Dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, bewies Martin Grab, dessen gleichnamiger Vater jahrelang zu den Aushängeschildern des Schwingsports zählte, mit einem starken Auftritt. Der bald 20-jährige Rothenthurmer musste sich diesen Kranz im wahrsten Sinne des Wortes verdienen. So fiel er letzte Saison wegen einer Schulterverletzung weitgehend aus und konnte nach gut verlaufener Rehabiliation im wieder im Herbst ins Geschehen eingreifen. Bei seinem Comeback kam er stark zurück Dieses Jahr begann für ihn ebenfalls nicht gerade verheissungsvoll. Im Training brach er sich das Handgelenk und musste einige Wochen pausieren. Dass er dies gut wegzustecken vermochte, zeigte er an den Vorbereitungsanlässen mit vielversprechenden Leistungen. Umso mehr freute er sich der Landwirtschaftslehrling im zweiten Lehrjahr über seinen ersten Kranzgewinn. «Ich musste zuletzt gewinnen und einiges riskieren, was gegen Urs Riebli keine einfache Sache war. Nach einem Kurzzug konnte ich ihn am Boden festhalten.» Der grossgewachsene Sennenschwinger verfügt über eine gute Technik und bearbeitet seine Gegner vornehmlich  von Stand aus mit verschiedenen Standschwüngen, was ihn äusserst unberechenbar macht. Weiter ist er sehr wendig und kann sich in schier unmöglichen Situationen ausdrehen. Im Schwingklub Einsiedeln findet er starke Trainingspartner, darunter Christian Schuler, vor und auch sein berufliches Umfeld bezeichnet er als optimal. Seine Lehre absolviert er  beim ehemaligen Kranzschwinger und Ringer Romans Weiss in Zwillikon, der viel Verständnis für den Sport aufbringt. Grosse Gedanken über seine weitere schwingerische Zukunft macht sich Martin Grab nicht. «Ich nehme es von Fest zu Fest und gebe immer mein Bestes», äussert er sich. . Wichtig für ihn ist, dass er von Verletzungen verschont bleibt. Schwingen war schon immer die grosse Leidenschaft des angehenden Landwirts.  

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