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Luzerner / Zürcher

Sonntag, 02. Juni 2024

Joel Wicki verteidigt sein Königreich mit Erfolg

Florian Grab gewann einen weiteren Kranz

Tolle Ambiance am Luzerner Kantonalschwingfest vor 7'200 Zuschauern

Nach etlichen Anläufen konnte Joel Wicki nach 9:32 Minuten den Schwyzer Michael Gwerder mit Kurz bodigen und damit nach 2018, 21 und 23 zum vierten Mal gewinnen. Der Rothenthurmer Florian Grab holte seinen dritten Kranz in dieser Saison.

W.S. Die Serie der fünf Kantonalfeste in der Innerschweiz wurde vom «Luzerner» abgeschlossen. Nicht nur in quantitativer, sondern auch in qualitiativer Hinsicht vermochte das grösste ISV-Kantonale die Erwartungen vollauf zu erfüllen. So machten sich 254 Schwinger, wovon zehn eidgenössische Kranzträger, den Sieg streitig. In der vollbesetzten Arena kam von Beginn weg nicht zuletzt dank der mehrheitlich kompromisslosen Schwingweise, fernab von jeglichem taktischen Geplänkel, bereits tolle Stimmung auf und verdrängte damit für einen Moment das Thema Wetter als Gesprächsstoff. Vor der Mittagspause brachte sich Schwingerkönig Joel Wicki in eine günstige Ausgangslage. Neben ihm hatten nur noch Thomas Bucher, Stefan Ettlin und Lukas von Euw eine reine Weste. Aus diesem Quartett der Halbzeitleader blieben einzig Joel Wicki und überraschend der gross auftrumpfende Lukas von Euw auf der Erfolgsspur.

Das Rennen für den Schlussgang machte als Erster Joel Wicki, der einen mit einem Punkt vor seinem Klubkollegen Kilian Bühler und Michael Gwerder lag. Die Einteilung entschied sich Gwerder, was durchaus vertretbar war.

Kurze Gänge für Wicki

Joel Wicki konnte sich auf dem Weg in den Schlussgang auf kurze Arbeit beschränken. Mit seinem Prachtskurz bodigte er den Berner Dominik Gasser mit der Höchstnote und fertigte Reto Koch in Windeseile ab. Vor der Mittagspause gab es für ihnen einen weiteren Blitzsieg. Wie er Jonas Burch mit einem hohen Kurz das Nachsehen gab, gab so richtig Appetit. Im Duell mit Thomas Bucher musste er vorerst einen Angriff abwehren, ehe er ihn mit einer weiteren Höchstnote aus dem Weg räumte. Auch um den Einzug in den Schlussgang benötigte er keine Minute. Er warf Lukas von Euw im ersten Angriff in Seitenlage und liess nicht mehr locker bis das Resultat feststand.

Der 23-jährige Michael Gwerder kommt in dieser Saison immer besser in Fahrt. Nachdem er zu Beginn mit Marco Fankhauser die Punkte teilte, gab er sich keine Blösse mehr und

vermochte sich kontiunierlich zu steigern. Seine Konkurrenten hatten nichts zu lachen und vermochten seinen wuchtigen Zügen nicht entgegenzuhalten. Als sein Gesellenstück darf wohl der Sieg gegen Dominik Gasser bezeichnet werden. Um den Schlussgang konnte er Urs Doppmann in festen Griffen zum platten Resultat werden.

Im Schlussgang ergriff Joel Wicki sogleich die Initiative und liess eine Serie von Angriffen folgen, die sein Kontrahent aber stets zu vereiteln wusste und einmal mit Kurz selber gefährlich attackierte. Doch wenig später war es dann um Gwerder geschehen.

«Da ich im fünften Durchgang eine Rippenprellung zuzog, musste ich im Schlussgang auf den Zähne beissen», sagte der mittlerweile 25-fache Kranzfestsieger. Er hofft, dass er seine Verletzung in nächster Zeit gut ausheilen und dann wieder voll angreifen kann.

Grosse Freude bereitete der Auftritt des 22-jährigen Schwyzers Lukas von Euw. Der Start mit drei Siegen beflügelte den schwingkundigen Zimmermann sichtlich. Ein Husarenstücklein gelang ihm gegen den 63 Kilogramm schwereren Sven Schurtenberger. Er bearbeitete den Hünen immer wieder mit gefährlichen Hakenschwüngen, bis er ihn unter dem tosenden Beifall der Zuschauenden auf dem Rücken hatte. Er schloss seinen starken Wettkampf mit der Maximalnote gegen Kilian Bühler ab. Lokalmatador Marco Fankhauser blieb neben den Gestellten gegen Michael Gwerder und Franz-Toni Kenel viermal erfolgreich, was ihm den geteilten dritten Rang einbrachte.

Von den total 43 Kränzen holte Luzern mit 23 den Löwenanteil, gefolgt von Schwyz (7), Zug (6), Bern (3), Ob- und Nidwalden (2) Uri und Appenzell (je 1).

Grab mit Kranz

Der 20-jährige Florian Grab vermochte seine beiden diesjährigen Kranzgewinn zu bestätigen. Zum Auftakt musste er mit Kilian Bühler über die volle Zeit kämpfen. Nachdem er sich mit Kurz gegen Janis Wittwer eine Zehn holte, trotzte er dem Verbandskranzer Ronny Schöpfer in einem turbulenten Gang ein Unentschieden ab. Mit den Höchstnoten gegen Markus Schnider und Nils Theiler lag er weit vorne und konnte vom Kranzgewinn ausgehen. Trotz der Niederlage gegen Marco Fankhauser konnte er sich den «Kopfschmuck» aufsetzen lassen. Der Bennauer Jan Walker blieb mit vier Unentschieden und zwei Siegen ohne Niederlage. Dabei trotzte er den Kranzern Roman Zurfluh und Markus Schnider ein Unentschieden ab. Reto Pfyl absolvierte ebenfalls alle sechs Gänge.

Einsiedler ohne Kranz

Dass Gäste an einem Kranzfest ausserhalb ihres Teilverbandes einen schweren Stand haben, ist hinlänglich bekannt. Christian Schuler wurde am Zürcher Kantonalfest in Horgen vor 5'000 Zuschauern zur tragischen Figur. Dabei war ihm die Einteilung alles andere als gut gesinnt und setzte ihm die schwersten «Brocken» vor. Nach den Höchstnoten gegen Marco Gloor, dem Sieger des St. Galler Kantonalen, und Jan Mannhart war er an der Spitze anzutreffen. Armon Orlik brachte er in eine gefährliche Lage, woraus sich der Bündner nur mit viel Glück befreien konnte und so die Niederlage im allerletzten Moment gerade noch abzuwenden vermochte. Darauf behielt Orlik das bessere Ende für sich. Nach dem Sieg gegen den nur schwer bezwingbaren Andy Signer durfte er sich sogar noch Hoffnungen auf die Schlussgangteilnahme machen, die ihm aber der Toggenburger Werner Schlegel zunichte machte. Zuletzt musste er mit This Kolb, der den Kranz bereits auf sicher hatte, stellen und verpasste die in Reichweite liegende «Schlaufe». Es ist für die Einteilung kein Ruhmesblatt, einen Gast auf diese Art um die Früchte zu bringen.

Alex Schuler hatte wie schon öfter in dieser Saison einen schweren Start zu verzeichnen. So verlor er gegen Armon Orlik und kam gegen Nicola Wey und Remo Ackermann nicht über zwei Unentschieden hinaus. Trotz dreier Siege verpasste er den Kranz deutlich. Nicht besser erging es Fabian Birchler mit vier Gestellten und zwei Siegen.

Sieger des Festes wurde Armon Orlik, dem dafür im Schlussgang gegen Werner Schlegel ein Unentschieden reichte.

 

Werner Schönbächler

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